Was ist eigentlich schwul?

Christian Brandl Von Christian Brandl

Eine Studie des Düsseldorfer Marktforschungsinstitut Innofact in Kooperation mit MediaLogics hat sich nun mit der Frage "Coming Out - Sind Schwule wirklich anders" befasst und dazu eine Befragung an 950 Männern durchgeführt.

Schwul ist auch heute noch für viele ein Schimpfwort, doch kaum jemand der dieses Wort in den Mund nimmt, hat sich jemals damit befasst, was genau an Schwulen so "anders" ist als an ihm selbst. Eine Studie des Düsseldorfer Marktforschungsinstitut Innofact in Kooperation mit MediaLogics hat sich nun mit der Frage "Coming Out - Sind Schwule wirklich anders" befasst und dazu eine Befragung an 950 Männern - 449 davon schwul - durchgeführt.

Und was unterscheidet uns nun von den heterosexuellen Geschlechtsgenossen? Im Konsumverhalten nur wenig: Schwule legen mehr Wert auf Erotikartikel, Mode und Körperpflege, Heteros haben einen starken Hang zu Bier, Autos und Technik. In allen anderen Rubriken der Erhebung gibt es kaum signifikante Unterschiede, die ein Interesse in diesem Bereich als "typisch" für eine sexuelle Orientierung einordnen ließen.

Schwule sind Nachteulen

Gravierender fallen die Unterschiede aus, wenn man die Nutzung der Medien betrachtet: Das TV-Programm zu später Stunde (von 23 bis 9 Uhr) wird stärker Schwulen genutzt, wogegen Heteros das Programm zwischen 17 und 23 Uhr bevorzugen und auch das Radio scheinen wir "Homos" eher in den Abendstunden zu nutzen. Am Niveau des Programms lässt sich die sexuelle Orientierung zwar nicht festmachen, aber wer herausfindet, dass sein Schwarm gern "Sex and the City", "Will & Grace" und Abendtalkshows wie Johannes B. Kerner oder Beckmann schaut, hat zumindest gute Chancen, dass der Süße lieber mit Jungs als mit Mädels kuschelt. Wenig Anklang finden auch Kampfsportübertragungen bei der schwulen Zielgruppe - die gestählten, fast nackten Männerkörper können die Brutalität eines "Sports" wie Boxen wohl nicht überdecken und so sehen nur 5,3 % der befragten Schwulen solche Übertragungen.

Die große Leinwand übt auf uns anscheinend erheblich mehr Faszination aus, denn während 24,3 % der Schwulen mindestens 2-3mal (oder öfter) im Monat ins Kino gehen, lassen sich nur 15,4 % der Heteros so häufig verzaubern.

Männer-Magazine mit falscher Zielgruppe?

Überraschend die Ergebnisse für Printmedien: renommierte "Männer-Magazine" sollten künftig bei der Auswahl ihrer Inhalte vielleicht stärker auf Schwule eingehen, denn bekannte Formate wie "Men's Health" oder "GQ" finden bei der schwulen Leserschaft erheblich mehr Anklang als bei der eigentlichen Zielgruppe. Auch bekannte Politmagazine wie "Stern", "Focus" und "Der Spiegel" haben unter den befragten Schwulen einen größeren Anteil an Lesern, wogegen die befragten Heteros öfter zu Titeln wie "auto motor und sport", "PC-Welt" und dem "P.M.-Magazin" greifen.

Neue Studie - alte Vermutungen

Man könnte sagen "wir haben es doch schon vorher gewusst", aber nun ist es durch eine repräsentative Studie bestätigt. Die Unterschiede zwischen Heteros und Homos sind bis auf wenige Ausnahmen nicht wirklich gravierend und ob man an den festgestellten Abweichungen in den Interessensgebieten wirklich die sexuelle Orientierung festmachen kann ist bei einer Gruppe von nicht mal 1000 Befragten eher zweifelhaft.

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Weitere Quellen: W&V, Telepolis