Welt-AIDS-Tag

Patrick Fina Von Patrick Fina

Im globalen Kampf gegen HIV und AIDS arbeiten Hilfsorganisationen und Staaten nicht miteinander, sondern aneinander vorbei. Im Durcheinander um die "richtige" Strategie verlieren sie ihr eigentliches Ziel aus den Augen: effektiv helfen.

Die menschlichen Tragödien verstecken sich hinter den nüchternen Statistiken. Insgesamt 25 Millionen Todesopfer forderte die Immunschwächekrankheit AIDS nach ihrem ersten Bekanntwerden im Jahr 1981 bis zum Ende des Jahres 2005, damit ist sie eine der zerstörerischsten Epidemien in der Geschichte der Menschheit. Alleine im Jahr 2005 starben 3,1 Millionen Menschen durch AIDS, darunter mehr als eine halbe Million Kinder. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit etwa 40,3 Millionen Menschen mit dem HI-Virus infiziert sind, 4,9 Millionen Infektionen kamen im Jahr 2005 hinzu.

Besonders das südliche Afrika ist von der Epidemie getroffen. Dort leben rund zwei Drittel aller HIV-Positiven weltweit und rund 77 Prozent aller infizierter Frauen, obwohl weniger als zehn Prozent aller Menschen dort leben. Die schlechte Infrastruktur, geringe finanzielle Ressourcen und schlechte nationale Gesundheitssysteme bilden einen perfekten Nährboden für die Epidemie. Kurz gesagt: Die von einer starken HIV-Epidemie betroffenen Staaten sind mit der Situation überfordert. Flächendeckende Hilfe ist für sie ein Ding der Unmöglichkeit, im Kampf gegen die Epidemie können sie nur einen Platz in einer der hinteren Reihen einnehmen.

Zu viele Köche verderben den Brei

Die so genannte "internationale Gemeinschaft" hat ihre Aufgabe erkannt. Nicht nur internationale Organisationen haben sich den globalen Kampf gegen HIV und AIDS auf die Fahne geschrieben, auch Staaten und private Stiftungen entwickelten zahlreiche Programme, um die Seuche auf der ganzen Welt zu bekämpfen.

Wie lassen sich HIV und AIDS auf der ganzen Welt möglichst effektiv eindämmen? Eine Antwort auf diese Frage gibt es nicht. Es gibt nicht einmal eine verantwortliche Stelle, die sich um die Koordination der einzelnen Hilfeleistungen kümmert. Die Situation erinnert an ein verzweifeltes Fußballspiel: Viel zu viele Spieler auf einem Spielfeld machen einen schönen Spielaufbau unmöglich. Ein zugegebenermaßen krummer Vergleich, aber er trifft des Pudels Kern. Weltweit agieren viele Staaten im Kampf gegen HIV und AIDS, viele private Stiftungen und Hilfsorganisationen. So viele, dass sie sich gegenseitig im Weg stehen, dass keine wirkliche Strategie erkennbar ist.

Da ist beispielsweise die UNAIDS, ein Programm der Vereinten Nationen, gegründet im Jahr 1996, um das "Global Programme on HIV/AIDS" der WHO abzulösen. UNAIDS sammelt Daten und macht Vorschläge, wie Hilfsprogramme in einzelnen Teilen der Welt aussehen sollten. Dabei setzt die Organisation vor allem auf Prävention. Den Teufelskreis immer neuer HIV-Infektionen könne man nur unterbrechen, wenn man Neuansteckungen verhindere. So setzt sich die Organisation dafür ein, dass HIV und AIDS keine Tabu-Themen bleiben und dass kostenlose Kondome verteilt werden, Kinder und Frauen trotz großer Armut nicht zur Prostitution gezwungen werden und dass möglichst flächendeckender Zugang zu Medikamenten besteht.

Kondome oder Enthaltsamkeit?

Auch einige G8-Staaten haben sich dazu bereit erklärt, ihren Beitrag zu leisten. Auf Initiative des damaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan gründeten sie im Jahr 2002 den "Global Fund to Fight AIDS, Tubercolosis and Malaria". Der Finanzierungsplan sieht vor, dass dem Fonds jährlich rund sieben Milliarden US-Dollar zur Verfügung gestellt werden. Tatsächlich wurden für die Jahre 2002 bis 2008 allerdings nur insgesamt 8,6 Milliarden US-Dollar eingezahlt. Wie kann so etwas passieren? Die Staaten sind nicht gezwungen, die versprochenen Beiträge zu bezahlen - vielmehr handelt es sich um eine freiwillige Verpflichtung - und ein Staat, der unter ständigem Haushaltsdruck steht und nebenher viele weitere Interessen zu finanzieren hat, setzt Prioritäten. Tragisch wird diese Situation vor allem vor dem Hintergrund, dass der Bedarf an finanziellen Ressourcen in Zukunft stetig wachsen wird - AIDS ist nach wie vor nicht heilbar.

Auch die Vereinigten Staaten von Amerika haben sich bereit erklärt, den "Global Fund" zu unterstützen. Geld floss bisher allerdings kaum. Vielmehr entschied man sich relativ bald, ein eigenes Programm zur Bekämpfung von HIV und AIDS ins Leben zu rufen, den "The Presidents Emergency Plan for AIDS relief" (PEPFAR). Der PEPFAR verfolgt eine ganz andere Politik, als sie von UNAIDS vorgeschlagen wird. Anstatt flächendeckend Kondome zu verteilen, propagiert er sexuelle Enthaltung und setzt sich für die weitgehende Nutzung teurer Medikamente der Orginalhersteller ein.

Es geht um mehr als nur um Hilfeleistung

Weitere wichtige Akteure im globalen Kampf gegen HIV und AIDS sind private Stiftungen wie die "Bill and Melinda Gates Foundation" oder die "Clinton Foundation". Jede Stiftung fährt ihre eigene Politik. Es geht um mehr als nur Hilfeleistung, es geht um Spendengelder und Prestige. Trotzdem sind die Stiftungen eine wichtige Hilfe, denn das zivilgesellschaftliche Interesse trägt bereits erste Früchte. Sie erbringen nicht nur medizinische Dienstleistungen, sondern mobilisieren auch für andere Ziele wie das Menschenrecht auf Gesundheit.

Eine Kooperationsbereitschaft zwischen den einzelnen Organisationen lässt sich nicht erkennen. Jeder macht sein eigenes Ding. Dabei wäre es wichtig, gemeinsam zu arbeiten anstatt ständig aneinander vorbei. Es darf nicht sein, dass sich UNAIDS vehement für Prävention einsetzt und die Vereinigten Staaten womöglich zur gleichen Zeit im gleichen Land sexuelle Enthaltsamkeit predigen. Es muss eine Institution geschaffen werden, die sämtliche Anstrengungen im globalen Kampf gegen HIV und AIDS koordiniert. Die UNAIDS wäre dazu geeignet, sie verfügt über die Erfahrung und das Personal. In Sicht ist eine solche Entwicklung jedoch nicht.

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