Wenn Liebe zur Sucht wird

Redaktion Von Redaktion

Wie weit kann Liebe gehen? Und wie weit darf sie gehen? Wie alles, was einem Freude bereitet, kann auch Liebe zur Droge werden. Und jede Droge kann zur Abhängigkeit führen.

Wie weit kann Liebe gehen? Und wie weit darf sie gehen? Zwei Fragen, mit denen man sich beschäftigen sollte. Denn wie alles, was Freude bereitet, kann auch Liebe zur Droge werden. Und jede Droge kann zur Abhängigkeit führen, wenn man seine eigenen Grenzen nicht kennt  - viel zu schnell landet man dann in einem echten Teufelskreis.

Emotionale Abhängigkeit was ist das?

Der Begriff beschreibt eine Art von menschlicher Beziehung, die eine ganz besonders extreme Form angenommen hat. Eine Form, in der der Partner zum allerhöchsten und heiligsten Selbstzweck erklärt wird. Menschen, die emotional abhängig von ihrem Partner sind, glauben, dass ihre eigene Existenz ohne den Geliebten keinen Sinn mehr hat. Dieses Gefühl an sich scheint zunächst nichts Schlimmes zu sein, ist es doch Teil des klassischen Bildes einer harmonischen und erfüllten Beziehung: die Aufopferung für den Partner. Doch andererseits sind romantische Idealvorstellungen und Realität zwei verschiedene Dinge.

Vielleicht kennst du selber das Gefühl oder kennst jemanden, auf den es zutrifft: das unheimlich große Verlangen, sein Leben ganz und gar auf die eine geliebte Person auszurichten. Ihr ganz zu gehören, ihr zu gehorchen und alles zu tun, um sie nicht zu verlieren. Das klingt zuerst ein wenig nach sexueller Obsession - nichts Ungewöhnliches in der schwulen Welt - muss aber nicht zwangsläufig etwas damit zu tun haben. Der Partner und die in ihm verkörperte emotionale Bindung wird zum Platzhalter für das eigene zu geringe Ego. Das eigene Selbstwertgefühl ist so gering, dass es mit etwas anderem, einer zweiten Existenz, ausgefüllt werden muss.

Weist der Partner diese Form der Liebe von sich, kann das die Ursache für großen Schmerz und Liebeskummer sein, obgleich der Liebende sich so neuen Dingen zuwenden kann. Geht der Geliebte aber auf diese Form der Liebe ein, entsteht eine Hörigkeit. Die tiefe Ambivalenz der Liebe wird hier deutlich: Wer liebt, liefert sich aus, gibt sich hin, legt dem Geliebtem etwas in die Hände, was ihm Macht verleiht. Und dieser hat immer die Möglichkeit, dieses Etwas zu benutzen, die Liebe zum Machtinstrument zu machen, Zwang auszuüben.

Ist Hörigkeit etwas Schlechtes?

Viele Menschen, die einem anderen Menschen hörig sind, sagen, dass sie glücklich sind - und das erscheint auch logisch, denn sie leben ihren innigsten Wunsch: ganz dem Partner zu gehören. Andererseits gibt es auch Abhängige, die in ihrer Beziehung unglücklich sind, da ihr eigener Wille von dem Willen des Partners unterdrückt wird, sie aber nicht die Kraft besitzen, sich aus der Beziehung oder vom Willen des Partners zu befreien. Man liebt und hasst den Menschen über alles und ist nicht in der Lage, etwas daran zu ändern. Denn man liebt zu sehr, um zu gehen und den Partner zu verlassen, und hasst zu sehr, um zu bleiben. Da das eigene Seelenleben dem Geliebten aus Hingabe fast vollständig offenbart ist, hat dieser genug Angriffsfläche, um mit dem Abhängigen zu tun, was er möchte. Durch Schmähungen wird das eh schon geringe Selbstbewusstsein zerstört und durch Schmeicheleien wieder aufgebaut: So wird die Abhängigkeit zementiert. Das ist ein Teufelskreis, der im schlimmsten Fall zu schweren psychischen Störungen führen kann.

Wie kann man sich aus einer solchen Schlinge befreien?

Es gilt, den zerbrochenen Willen wieder aufzubauen, um sich so vom Partner zu lösen. Ein Patentrezept gibt es für so etwas natürlich nicht, denn jeder Mensch ist verschieden und hat eigene individuelle Probleme, die wir hier nicht berücksichtigen können. Dennoch hier zwei denkbare Ansätze, wie man vorgehen kann.

Die Radikalkur: Man bricht von einem Tag auf den anderen die Beziehung ab und nimmt sich vor, den Partner vorerst nicht wiederzusehen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, wenn man vielleicht schon seit längerer Zeit Bett, Wohnung und Leben mit dem Geliebten teilt und vielleicht nicht mal eine eigene Arbeit hat. Dennoch kann gerade dieses energische Ausbrechen aus dem Zwang ein Befreiungsschlag sondergleichen sein. Auch wenn man zunächst nicht weiß, wohin man soll und was zu tun ist, bewertet man den ersten Schritt, nämlich sich radikal vom Partner zu lösen, als großen Erfolg und schöpft daraus die Kraft weiter zu machen, um sich so ein eigenes Leben aufzubauen.

Freiräume schaffen: Viele wollen trotz allem ihren Partner nicht aufgeben.  Schließlich verbindet man auch sehr schöne Erinnerungen mit ihm. Dann sollte man versuchen, sich Freiräume zu  schaffen, in die man den Partner nicht hineinlässt. So schafft man sich einen ganz eigenen Rückzugsraum, in dem man sich klar machen kann, dass es auch eine Welt außerhalb der Beziehung gibt. Dies kann zum Beispiel ein eigener Freundeskreis sein, den man sich aufbauen kann, eine ehrenamtliche Betätigung, in der man aufblüht, oder ein Hobby, mit dem man gerne viel Zeit verbringt. Eigentlich ist es egal was Hauptsache, es dient dazu, sich vom Partner zu lösen.

Egal, wie man es macht, die eine Erkenntnis ist wichtig: dass jeder Mensch seinen ganz eigenen Wert besitzt, der ihn zu einem Individuum mit Rechten und Privilegien macht. Der eigene persönliche Wille ist eines der kostbarsten Dinge, die der Mensch besitzt. Man sollte es sich zweimal überlegen, diesen leichtfertig in andere Hände zu legen.

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Weitere Quellen: photocase.com