Wir sind nicht #beziehungsunfähig

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Wir sind nicht #beziehungsunfähig
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Warum ist es auf einmal so schick, sich mit dem Label beziehungsunfähig zu schmücken? Das ist doch nur eine bequeme Ausrede für die Wahrheit. So muss keiner Verantwortung übernehmen.

Dating hat sich verändert. Während sich unsere Eltern noch auf Tanzabenden kennengelernt haben, wachsen wir mit Tinder, Grindr und dbna auf. Dating hat sich verlagert, hinein in die virtuelle Welt. Dort werden uns potenzielle Partner katalogartig präsentiert. Wir können sie nach Haarfarbe und Körpergröße sortieren. Was uns nicht passt, wird weggewischt, blockiert oder einfach nicht beantwortet.

Während die Hetero-Welt Tinder erst 2012 entdeckt hat, war da Grindr schon drei Jahre auf dem Markt. Parship existiert seit Ende 2000, da war dbna auch schon drei Jahre lang online. Schwule und bisexuelle Männer haben früh die Möglichkeiten des Internets erkannt. Sie waren aus nachvollziehbaren Gründen auch eher darauf angewiesen: Weniger Angebot, weniger Sichtbarkeit, gesellschaftliche Vorurteile.

Jemand, der noch besser passt, könnte nur einen Klick entfernt sein

Und dennoch wurde es erst seit einiger Zeit zum Trend, sich mit dem Prädikat beziehungsunfähig zu schmücken. Autor Michael Nast hat mit seinem Buch "Generation Beziehungsunfähig" sogar eine ganze Altersgruppe dazu verdammt, keine Beziehungen mehr führen zu können.

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Unsere Welt bietet unendlich viele Möglichkeiten. Manche überfordert das.

Unsere Welt bietet unendlich viele Möglichkeiten. Manche überfordert das.

Die Schuld am Phänomen wird dem Onlinedating, den sozialen Netzwerken und irgendwie auch der Globalisierung gegeben. Wir haben die Möglichkeit, jeden Tag jemand anderen zu treffen, den wir uns vorher penibel im Online-Setzkasten zusammengepuzzelt haben. Jemand, der noch besser passt, könnte dennoch nur einen Wisch oder Klick weit entfernt sein.

Wir haben so viele Möglichkeiten das überfordert manche

Gleichzeitig steht uns die Welt offen. Nach der Schule gleich eine Ausbildung oder Studium anfangen? Nein, da kommt zuerst Work and Travel in Thailand, dann ein Freiwilligendienst in Tansania und ein Praktikum bei einer hippen Berliner Werbeagentur.

So oder so ähnlich müssen doch Lebensläufe heutzutage fast schon aussehen. Ja, unsere immer enger werdende Welt bietet uns unendliche Möglichkeiten. Viele haben deshalb das Gefühl, so viele wie möglich ergreifen zu müssen. Andere sind vom Überangebot komplett überfordert.

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Eine Beziehung muss gepflegt werden, nicht nur übers Internet.

Eine Beziehung muss gepflegt werden, nicht nur übers Internet.

Beziehungsunfähig: Mit der Ausrede ist man raus aus jeder Erklärungsnot

Was da verständlicherweise fehlt, ist die Zeit für eine Partnerschaft. Denn die lässt sich zwar übers Internet finden, aber nur schwer darüber pflegen. Statt das einzusehen, erklärt man sich lieber für beziehungsunfähig. Nein, ist nicht meine Schuld, sondern liegt am Internet und überhaupt. Dass eine Beziehung auch Arbeit ist und der Freund auch Macken hat, mit denen er in seinem Profil vielleicht nicht unbedingt prahlt, gehört auch dazu.

Nein, dem weicht man aus. Beziehungsunfähig. Das reicht als Erklärung aus und ist außerdem ziemlich bequem, wenn man sich einfach (noch) nicht binden möchte. Das wäre an sich ja völlig okay. Aber beziehungsunfähig, das klingt irgendwie schicker, auf diese Trendwelle springt man gerne auf, solange man damit fein aus dem Schneider ist.

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