3-Day Weekend

Redaktion Von Redaktion
3-Day Weekend
Pro Fun

3-Day-Weekend ist ein Film wie aus der Federn schwuler Fernsehformatentwickler: Ein Haus in den Bergen, ein schwules Pärchen und ein Callboy. Bei sowas sind Streit und One-Night-Stands vorprogammiert.

Seit vielen Jahren fährt das ziemlich gut betuchte Paar Simon (Derek Meeker) und Jason (Douglas Myers) hinaus zu ihrem komfortablen und ruhigen Häuschen in den Bergen Holzhütte kann man das bestimmt nicht mehr nennen, denn es hat nicht nur mehrere großzügig ausgestattete Schlafzimmer, sondern auch einen Whirlpool.

Wie jedes Mal kommt Jasons alter Freund Cooper (Derek Long) für ein Wochenende mit. Dieses Mal bringt Cooper seinen gut zwanzig Jahre jüngeren Freund Ace (Stephen Twardokus) mit. Um ein bisschen Abwechslung zur jährlichen Routine zu haben, hat zusätzlichen jeder der vier einen Singlegast eingeladen.

Coopers esoterischer Nackt-Yoga-Lehrer Kevin (Gaetano Jones) teilt sich mit Jasons ungeoutetem Arbeitskollegen, den ITler Mac (Chris Carlisle), ein Doppelzimmer und Ace bringt seinen ehemaligen Collegefreund Cameron (Joel Harrison) mit.

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Soll die nackte Haut kaschieren? Die Darstellen spielen teilweise laienhaft.

Soll die nackte Haut kaschieren? Die Darstellen spielen teilweise laienhaft.

Weil Simon jedoch nicht so viele Singlefreunde hat, bezahlt er den diskreten Callboy Andre (Daniel Rhyder), um einen Freund zu spielen. Während sich Mac und Kevin als Zimmergenossen äußerst gut verstehen, bricht zwischen Simon und Jason ein Streit aus. Womit Simon nicht gerechnet hat, ist, dass auch andere Wochenendgäste Andres Dienste kennen.

Wenn man weiß, was passiert

"3-Day Weekend" weckt Erinnerungen, denn ähnliche Geschichten schrieben Geschichte: Die Off-Broadway-Verfilmung "The Boys in the Band" (7 Freunde, 1 Abend) stellte 1970, also ein Jahr nach dem Stonewall-Aufstand, den wir als CSD feiern, erstmalig Homosexuelle als komplexe Persönlichkeiten dar; 1997 folgte die getrimmte Verfilmung des Tony-Award-prämierten Theaterstücks "Liebe! Stärke! Mitgefühl!" (8 Freunde, mehrere Wochenende).

In beiden Filmen spielten mit wenigen Ausnahmen die talentierten Theaterschauspieler mit und die Ergebnisse waren dichte, konfliktreiche Filmerlebnisse. Der anspruchslose "3-Day Weekend", geschrieben, inszeniert und produziert von Rob Williams, bietet jedoch keine spannende Geschichte, obwohl es mittlerweile sein dritter Film ist.

Auch "The Boys in the Band" und "Liebe! Stärke! Mitgefühl!" nutzen wie so viele Filme gegensätzliche Charaktere, um ein möglichst großes Spannungsfeld aufzubauen. In "3-Day Weekend" sind die Konstellationen jedoch viel zu vorhersehbar und platt und darum will keine Spannung aufkommen. Sowohl der Geschichte als auch dem Schauspiel fehlt die Dynamik. Die laienhaften Darsteller stehen dumm herum oder bewegen sich völlig unnatürlich. Ihr Sprechausdruck wiederum wäre ganz angenehm, wenn denn der Blickkontakt zwischen den Personen glaubwürdig wäre.

Wenn sich aber selbst langjährige, enge Freunde wie Fremde ansehen, dann kann auch der Zuschauer keine emotional Bindung zu den Charakteren aufbauen. Auch wenn Long erst vielversprechend aussieht, überzeugt er nur mit einer einzigen Träne. Einzig Meeker und teils Carlisle spielen recht ordentlich.

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Mal abbeißen? Jeder Flirtchance wird genutzt.

Mal abbeißen? Jeder Flirtchance wird genutzt.

Hommage? Am Arsch!

"3-Day Weekend" von 2008 wird als Hommage an diese Theaterverfilmungen angepriesen, dabei ist dieser Film nur ein billiger Abklatsch. Probleme werden nicht tiefer beleuchtet, die Charaktere und ihre Konflikte sind langweilig und vorhersehbar.

Darüber hinaus sprechen die Filmcharaktere "Liebe! Stärke! Mitgefühl!" an und werfen ihm eine angebliche Selbstverachtung vor und Jason findet die Aids-Problematik darin nervig. Damit stellt sich "3-Day Weekend" in gewisser Weise über den vorgenannten Film, doch ist dies eine enorme Selbstüberschätzung.

Auch wenn die Digitalkamera teilweise nach Fernsehen aussieht, macht "3-Day Weekend" rein optisch sogar was her: schöner Drehort, hübsche Bildkompositionen und knackige Farbkontraste (um Filmminute 25 herum werden z.B. sehr ansprechend warm-farbige Bettszenen gegen bläulich beleuchteten Balkonsex geschnitten).

Der Ton hingegen ist teils übersteuert und in manchen Passagen zusätzlich von zu lauter Musik unterlegt. Da hört man das geringe Filmbudget heraus.

Selbstironie nur im Bonusmaterial aus der DVD

Der eigentliche wunde Punkt ist schließlich Williams Drehbuch: wenig Spannung wegen zu plumper Wendungen (natürlich muss die Wanderung nach 10 Minuten schon abgebrochen werden, um auf frischer Tat zu ertappen), vollkommene Kritiklosigkeit in allen Bereichen, lausige Dialoge ("Nature is just so natural, don't you think?"), die Charaktere sind geistlos (die Spiritualität des Yogalehrer besteht nur aus Plattitüden) und die interessantsten Momente des Wochenendes werden ausgelassen.

Der Zuschauer muss ich vor allem fragen, warum eigentlich keiner der Charaktere bemerkt, wenn sich ein anderer nähert? Zuletzt fehlen der bissige Humor und die Dramatik, die "Liebe! Stärke! Mitgefühl!" so herausragend macht. Beim Fazit "The yoga freak was right: this was wonderful", das Ace am Schluss zieht, möchte man den Autoren lynchen.

Der einzige Funken Selbstironie kommt beim alternativen Ende, das als Bonusmaterial auf der DVD vorliegt, auf. Alles in allem ein sehr schwacher Film.

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Weitere Quellen: Pro Fun