Alptraum eines Dream Boys

Falk Steinborn Von Falk Steinborn

Nathans Blicke sind seine Stimme. Er spricht mit ihnen. Sie zeigen seine Angst, seine Sehnsucht und seine Verliebtheit in den Nachbarsjungen. Aber in der amerikanischen Einöde darf diese Liebe nicht sein. Und mit Blicken allein kann Nathan sie nicht verteidigen. Er ist der tragische Held in "Dream Boy". dbna verlost den Film auf DVD.

Neuer Wohnort, neue Schule, neue Freunde. Nathan kennt das nicht anders. Schon oft ist er mit seinem Vater und seiner Mutter umgezogen. Doch dieses Mal ist einiges anders. Statt sein neues Zimmer in einer Stadtwohnung einzurichten, landet er in der amerikanischen Einöde: In einem Farmhaus abseits vom städtischen Leben - dafür mit Dorfkirche, Pickup-Trucks, Wald und Wiese. Was romantisch klingt, ist für Nathan eine Last. Die Welt um ihn erscheint ihm fremd.

Verliebte Blicke zwischen Jungs

Aber Nathan ist auch neugierig auf diese fremde Welt. Und so steht er an seinem Fenster und beobachtet, was draußen passiert. Überhaupt schaut Nathan viel. Reden tut er nur wenig. Aber das braucht er nicht. Seine Blicke verraten das meiste: seine Schüchternheit und Angst, seine Verträumtheit und Begierde. Und Nathans Blicke treffen auch Roy, den Nachbarsjungen - erst spärlich und ausweichend, dann immer häufiger und intensiver. So kommt es, wie es kommen muss. Die beiden freunden sich an und verlieben sich einander. Das bleibt allerdings nicht ohne Folgen in der christlich-konservativen Einöde. Und zu allem Überfluss ist da noch der unberechenbare Vater von Nathan.



"Dream Boy", der auf dem gleichnamigen Bestseller von Jim Grimsley basiert, ist mitreißend erzählt. Die beiden Hauptdarsteller überzeugen schauspielerisch. Besonders Stephan Benders Feinheiten im Spiel sind beeindruckend. Er schafft es, Nathan nicht nur als stillen und verschlossenen Jugendlichen zu spielen, sondern dabei auch noch unzählige Gefühlsnuancen auszudrücken.

"Brokeback Mountain" mit Teenagern

Optisch ist "Dream Boy" ebenso gelungen. Drehort und Aufnahmen sind wie aus dem Bilderbuch - so schön, so malerisch, so realistisch. In ihrer Naturverliebtheit erinnern die Bilder teilweise an die atemberaubenden Landschaftsaufnahmen von "Brokeback Mountain". Und auch die Musik geht in diese Richtung.

Die Titelmelodie von Richard Buckner hat leichte Country-Einflüsse, ist aber auf Gitarre und Percussions reduziert. Die Stimmung der Musik ist einerseits verträumt und melancholisch, andererseits sehnsuchtsvoll und drängend. Dabei erinnern die Songs in einigen Teilen an den hinreißenden Soundtrack von "Brokeback Mountain". Aber das ist nicht die einzige Parallele. Denn auch die Grundaussage beider Filme ist ähnlich: Sie zeigen eine Liebe, die nicht sein darf.

Ein Film, der Entsetzen auslöst

"Dream Boy" gehört in die Kategorie von Filmen, die einem eine heile Welt vermitteln. Sie verführen den Zuschauer mit zauberhaften Szenen, wiegen ihn in Harmonie und lassen ihn dahinschmelzen. Aber das geschieht alles nur, um umso härter und schonungsloser zu treffen. "Dream Boy" schafft das zweifelsohne und unerwartet. Es ist ein Film, der Entsetzen auslöst, wenn er an der heilen Welt seiner Figuren kratzt.

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