Neun Jahre Warten haben ein Ende. Mit Big Eden ist nun endlich der meist ausgezeichnete schwule Film auch bei uns auf DVD erhältlich. Der Film erzählt die Geschichte um eine alte Jugendliebe zwischen zwei Jungen, die nach Jahren wieder erwacht.

Neun Jahre Warten haben ein Ende. Mit Big Eden ist nun endlich der meist ausgezeichnete schwule Film auch bei uns auf DVD erhältlich. Der Film erzählt die Geschichte um eine alte Jugendliebe zwischen zwei Jungen, die nach Jahren wieder erwacht.

Sein Großvater Sam (George Coe) hatte einen Schlaganfall, also kehrt der erfolgreiche, charmante New Yorker Maler Henry Hart (Arye Gross) nach vielen Jahren zurück in sein Heimatstädtchen Big Eden in Montana, wo er nicht geoutet ist. In seiner Eile lässt er für seinen einzigen lebenden Verwandten sogar die Eröffnung seiner neuen Ausstellung sausen. Big Eden empfängt Henry mit offenen Armen und der Reisekatalogidylle rund um den unberührten, klaren Bergsee.

Weil Sam kaum mehr gehen kann, als er aus dem Krankenhaus entlassen wird, beschließt Henry einige Zeit länger zu bleiben. Damit die beiden Männer versorgt sind, regelt Henrys alte Freundin Grace Cornwell (Louise Fletcher), Lehrerin an der hiesigen Schule, die Verpflegung der beiden Männer: die Witwe Thayer (Nan Martin) kocht und der schüchterne, indianische Ladenbesitzer Pike Dexter (Eric Schweig) bringt das Essen zu Sams Blockhütte am See. Mit Freude übernimmt die Witwe die Aufgabe, wohingegen Pike Henry so stark wie möglich aus dem Weg geht.

Jugendflamme oder stille Liebe?

Von Grace erfährt Henry auch, dass sein alter Jugendfreund Dean Steward (Tim DeCay) sich von seiner Frau hat scheiden lassen und ebenfalls kürzlich mit seinen beiden Söhnen nach Big Eden zurückgekehrt ist. Henry, der solo ist, weil er nie über seinen Schwarm Dean hinwegkam, kann es nicht verhindern, dass er in dem winzigen Dorf Dean früher oder später über den Weg läuft.



Während die Witwe Thayer den Junggesellen Henry mit Frauen aus der Gegend verkuppeln will, frischt Henry seine Freundschaft mit Dean auf. Die beiden kommen sich allmählich näher als in ihrer Jugend. Und dem ganzen Dorf, selbst der Witwe, ist klar, was zwischen den beiden abgeht. Dennoch traut sich Henry nicht, sich offen zu seinem Schwulsein zu bekennen. Erst spät erkennt Henry, dass auch Pike heimlich, aber mit der Hilfe der Dorfbewohner um seine Zuneigung buhlt.

Madonna liebt New York? Wir lieben Big Eden!

Das fiktive Dörfchen Big Eden sieht nicht nur aus wie ein wahr gewordener Katalogtraum, nein, Big Eden ist auch ein schwules Paradies. Gefilmt in der pittoresken Landschaft rund um Swan Lake im Glacier-Nationalpark in Montana sind die hiesigen Holzfäller, auch 'die sieben Zwerge' genannt, die in Pikes Laden herumlungern, gar nicht so rau, wie man denkt, und alles andere als homophob. Sie kochen, lenken ab und kuppeln, was das Zeug hält. Auch die Witwe Thayer reagiert schnell und lädt zum 'Schachturnier' ein, damit Henry schwule Männer aus der Gegend kennen lernt. Dass Henry sich dennoch sträubt, zu seinem Schwulsein zu stehen, macht die Kuppelversuche umso lustiger.

Neben den wunderschönen Bildern und dem herzlichen Humor besticht der Film durch kitschige, beinahe ironische Countrymusik und die Aufrichtigkeit der reiferen und dennoch einnehmenden Darsteller. "Big Eden" ist so fabelhaft, dass er zum meist ausgezeichneten Film des schwulen Kinos wurde. (Ob das jedoch nach den unendlichen Preisen für "Wäre die Welt mein" immer noch der Fall ist, lässt sich bei der mangelnden Dokumentation schlecht überprüfen.) Dennoch musste das deutsche Publikum ganze neun Jahre warten, bis dieses Kleinod endlich auch hier zugänglich war.

Kleinod mit Mängeln

Es ist eine äußerst erfrischende Abwechslung, dass nicht die Standardgeschichte bildhübscher Mittzwanziger erzählt wird, sondern die von etwas reiferen Charakteren, die lang genug gewartet haben, um nichts überstürzen zu müssen. Außerordentlich hervorstechend ist die Tatsache, dass Dean über die anfängliche Schablone des üblichen Liebesobjekts hinauswachsen darf. Sämtliche Darsteller haben eine starke Präsenz und Echtheit. Auch in vielen anderen Belangen überzeugt "Big Eden" mit einer bemerkenswerten Reife und Gelassenheit.

Doch trotz aller Reife und Außergewöhnlichkeit gibt es auch ein große Schwäche beim Drehbuch- und Regiedebüt von Ralph-Loren-Kreativberater Thomas Bezucha: die konventionelle Erzählstruktur. Nach einer guten Entwicklung mit einigen überraschenden Wendungen schwächelt der Film gerade beim Höhepunkt. Obwohl das verzögernde Moment die Spannung der Geschichte steigern soll, wirkt bei "Big Eden" das Zum-Flughafen-Eilen derart geklaut, dass es zum Gähnen langweilig wird. Dem zum Trotz ist der Film eine wahre Wonne.

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Weitere Quellen: Pro Fun Media