Frühstück mit Scot

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
Frühstück mit Scot
Pro Fun

Über Nacht werden das schwule Paar Eric und Sam zur Regenbogenfamilie. Doch ihr Schützling Scot ist das lebende Klischee und macht seinen neuen Daddys das Leben nicht leicht.

Wie einfach könnte ein Coming-Out doch sein, wenn die eigenen Eltern schwul oder lesbisch sind? Einfach? Nicht so lange die Eltern Eric und Sam heißen und eine schwule Bilderbuche-Ehe führen:  Sie leben in einem ruhigen Stadtteil mit Haus und Vorgarten und gehen brav ihrer Arbeit nach natürlich in angesehenen Positionen. Sam ist Anwalt und Eric einst Eishockeyprofi moderiert eine Sportsendung beim Fernsehen. Das Leben der Beiden scheint perfekt. Aber dann kommt Scot!

Er ist der Sohn von Sams Bruder und dessen Ex-Freundin. Aber ersterer reißt in der Weltgeschichte herum, um Frauen flachzulegen, und letztere ist in einem Drogenexzess ums Leben gekommen. Also landet Scot bei Eric und Sam. Das Vaterglück der beiden hält sich allerdings in Grenzen. Denn der 11-jährige mit der großen Zahnlücke und den rotbraunen Wuschelhaaren ist das lebende Klischee. Er steht auf Musicals, hat eine singende Haarbürste und versucht den Nachbarsjungen zu küssen. Er ist damit das komplette Gegenteil vom Eric und Sam, die sich alle Mühe geben, ihr Schwulsein zu verstecken.
 

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Scot als Eis-Hockey-Spieler: Er will seinem neuen Dad beweisen, was ihn ihm steckt.

Scot als Eis-Hockey-Spieler: Er will seinem neuen Dad beweisen, was ihn ihm steckt.

Vorherhsehbarer Herzschmerz
Vor allem Eric tut sich mit Scots Verhalten schwer und will den ihn deshalb umerziehen. Statt Schminken ist für ihn fortan Eishockey angesagt. Aber Scot lässt sich nicht anpassen und hält damit Eric einen Spiegel vor.

"Frühstück mit Scot" ist ein Film über Toleranz - gegenüber anderen und vor allem gegenüber sich selbst. Denn nur wer sich so akzeptiert wie er ist, kann auch andere akzeptieren, wie sie sind lautet die Botschaft des Films.  So tiefgründig diese auch ist und so viel Potenzial die Geschichte auch bietet, "Frühstück mit Scot" kommt über die Qualität einer Queer-as-Folk-Episode nicht hinaus:  Stereotype Rollen, die keine Überraschung bieten, sowie Herzschmerz und ein Happy End, die einen zwar ergreifen, aber vorhersehbar sind.

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Der finale Kuss lässt ewig auf sich warten
Brillant ist hingegen der quirlige Scot (Noah Bernett), der sich in seiner Rolle fabelhaft macht. Man will fast glauben, dass Noah Bernett auch abseits des Sets diese Rolle lebt so natürlich wirkt er. Sein Film-Eltern und ihre Beziehung bleibt hingegen blass. Kurz vor Schluss, als es noch immer keinen Kuss zwischen den beiden gegeben hat und jegliche Zärtlichkeit und Berührung ausbleiben, stellt sich die Frage: Ist das wirklich ein schwules Paar? Oder ist das eine Männer-Adoptiv-Gemeinschaft, in der Liebe eigentlich wenig zu bedeuten hat? Der finale Kuss spricht für letzteres.

Trotzdem ist "Frühstück für Scot" als Film zur seichten Unterhaltung geeignet. Er  sorgt für Schmunzeln und einzelne Lacher, genauso wie für ein bisschen Betroffenheit und Schmalz.

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Weitere Quellen: Pro Fun Media