Hedwig and the angry inch

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
Hedwig and the angry inch
New Line Cinema

Hansel will aus der DDR fliehen. Seine einzige Option: Die Heirat mit einem amerikanischen GI. Aber dazu muss Hansel zu Frau werden: ein Schicksal das seine Karriere als Trans-Rock-Sängerin vorbestimmt.

"Als ich von der Operation aufgewacht bin,
Hab ich da unten geblutet.
Aber zwei Tage später hat sich das Loch
geschlossen und die Wunde ist verheilt.
Und ich wurde mit einem Hügel
aus Fleisch zurück gelassen.
Wo mein Penis einst war,
Wo meine Vagina niemals war."

Mit diesen Sätzen besingt die blonde Perücken-Rockröhre Hedwig Robinson ihr Schicksal. Sie hat weder Penis noch Vagina, sondern nur einen entzündeten Stummel ("angry inch"). Der Grund: Um aus der DDR zu flüchten, unterzog sie sich einer Geschlechtsumwandlung. Diese sollte ihr helfen, um als Frau eines amerikanischen Soldaten aus Ostberlin auszureisen.
 
Auftritt mit Essenschlacht und Schlägerei
Kaum in Amerika angekommen wird sie allerdings von ihrem schwarzen Suggardaddy verlassen und versucht fortan als exzentrische Sängerin über die Runden zu kommen. Sie spielt mit ihrer Band in billigen Highway-Raststätten, in denen sie die Gäste mit ihren exzessiven Auftritten aus Essenschlacht, Schlägerei und Peep-Show empört. Währenddessen tourt ihr Ex-Geliebter Tommy Gnosis durch die Staaten und macht mit Hedwigs Songs Karriere. Der Clash der beiden ist vorprogrammiert.

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Es lebe die Isnzenierung: Hedwig wäre gern erfolgreicher als sie es in Wirklichkeit ist. Aber das macht sie liebenswürdig.

Es lebe die Isnzenierung: Hedwig wäre gern erfolgreicher als sie es in Wirklichkeit ist. Aber das macht sie liebenswürdig.

Als Vorlage für "Hedwig and the angry inch" diente das gleichnamige Musical, dass 1998 am Off-Broadway uraufgeführt und zum Überraschungserfolg wurde. Geschrieben hat  es John Cameron Mitchell, dessen Vater zeitweise in Westberlin stationiert war. Mitchell hat die Erlebnisse aus dieser Zeit in "Hedwig and the angry inch" einfließen lassen. Er hat beim Film die Regie geführt, spielt die Rolle der Hedwig selbst und singt ihre Songs. Sie stammen aus der Feder von Stephen Trask und sind rockig, energiereich und eingängig. Vor allem das Lied"The origin of love", in dem Hedwig den Entstehungsmythos der Menschheit besingt und die Geschlechtertrennung hinterfragt, bleibt im Ohr.

Leider ist der Film in keiner deutschen Fassung vorhanden. Wer ihn anschauen will, kann die Original-DVD aber aus Großbritannien beziehen. In Frankfurt wird das Musical außerdem an wenigen Tagen im Sommer aufgeführt.

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Weitere Quellen: Diese Kritik erscheint in Zusammenarbeit mit dem Magazin "out!" des Jugendnetzwerkes Lambda e.V., New Line Cinema