Hochstapeln für die Liebe

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
Hochstapeln für die Liebe
Alamode Filmdistribution OHG

Jim Carrey gibt sich als schwuler Betrüger, der sich für seine große Liebe in immer stärkere Straftaten verstrickt.

"Ja ich bin schwul. Schwul, schwul, schwul, schwul, schwul!". So einfach geht dem Familienvater und Ehemann Steven Russel (Jim Carrey) sein Coming-Out über die Lippen. Kein Wunder: Denn für Steven ist das Leben nur ein Abenteuer, auf das er sich hemmungslos einlässt.

Kurzer Hand verlässt er seine Frau und Tochter für eine Beziehung mit einem Latinlover und einen neuen ausschweifenden Lebensstil: Mit teuren Autos, edlen Armbanduhren und Spaziergängen am Strand. Das neue Leben hat jedoch einen Haken.

Steven finanziert es sich nicht durch Arbeit sondern durch Betrug und Diebstahl. Natürlich geht das nicht lange gut. Sein Luxusleben fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Was bleibt sind eine Reihe nutzloser Kreditkarten und eine Zelle im Knast.

Aber Steven wäre nicht Steven, wenn er sich dort nichtzurechtfindenwürde. Er ist clever und weiß, wie er andere Häftlinge zu seinemVorteil  nutzen kann. Das kommt in vor allem in dem Moment zur Hilfe,als er auf Phillip Morris (Ewan McGregor) trifft. Steven verliebt sichauf den ersten Blick in den ruhigen und introvertierten Philip. Doch esgibt ein Problem: Die Zellengittern hindern die beiden daran, sichnäher zu kommen zumindest vorerst. Bald schon sind die beiden mit einpaar kleinen Tricks auf freiem Fuß und Steven beginnt erneut eineOdysee aus Betrug, Luxusleben und Knast.

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Wenig spannungsreich und aufgesetztes Schauspiel

Diewohl spannendste Frage zu diesem Film lautet: Was ist das? Ist es eineKomödie? Immerhin spielt Jim Carrey die Hauptrolle. Oder ist es eineLiebesgeschichte? Ein Drama gar? "Ich liebe dich Phillip Morris" willall dies auf einmal sein und ist am Ende nichts von alle dem. DieGeschichte von Steven und Phillip, die auf einer wahren Begebenheitberuht, ist nicht packend oder herzergreifend.

Dafür bleibt dieBeziehung zwischen den beiden Figuren zu oberflächlich. Für eineHochstaplergeschichte mangelt es an Spannung und für eine Komödie fehlteindeutig der Witz.

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Stattdessen wirkt der Film wie eineKarikatur von all diesen Genres: Es wird schmalzige Musik gespielt,wenn sich Phillip und Steven näher kommen. Es wird geblödelt undgealbert was das Zeug hält  - vor allem über Klischees ("Ich fragemich, ob Stehlen und Schwulsein irgendwie Hand in Hand gehen?"  fragtetwa Stevens Ex-Frau). Und es wird vor allem nicht überzeugendgespielt. Ewan McGregor versucht eine schwulen Tucke zu verkörpern.Aber sein Spiel wirkt bis zum Ende aufgesetzt. Gleiches gilt für JimCarrey. Er schafft es nicht, die Rolle des Hochstaplers mitErnsthaftigkeit zu erfüllen. Egal in welcher Szene sein Mimikversteckt immer einen Lacher.

Eine wahre Geschichte

EinzigesTrostpflaster: Der Soundtrack von Nick Urata, mit starklateinamerikanischen Einflüssen,  geht sehr gut ins Ohr. Vor allem dasHauptthema "Faking Death" überzeugt.

Trotzdem ist "Ich liebedich Phillip Morris" nur eine enttäuschende Umsetzung einer an sichsehr spannenden und wahren Lebensgeschichte eines US-Amerikaners, dernoch heute wegen Hochstapelei im Gefängnis sitzt.

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