Hurra, bald einer mehr!?

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
Hurra, bald einer mehr!?
Sharon Neetles/Globe Photos, Inc.

Daniel Radcliffe (u.a. "Harry Potter") wird die Rolle eines schwulen Dichters übernehmen. Das heizt die Gerüchteküche über ihn wieder an und die Szene rätselt: Ist er nun oder ist er nicht? Ein Kommentar über den Wunsch nach schwulen Promis.

Das heizt die Gerüchteküche wieder kräftig an! Erst kürzlich setze sich Radcliffe für schwule Jugendliche in Not ein (dbna berichtete), und nun auch noch eine homosexuelle Hauptrolle. In der Szene und den schwulen Medien ist das ein erneutes Indiz: Radcliffe müsse schwul sein.

Er ist nicht der einzige Promi, über dessen Sexualität spekuliert wird. Seit 2003 rätselt das dbna-Forum "Welche Stars sind schwul?". Auf 37 Seiten hat es der Thread bisher geschafft. Genannt werden bekannte Namen wie Klause Wowereit und Thomas Hermanns, aber auch eine ganze Reihe von Männern, deren öffentliches Coming out längst überfällig sei glaubt man dem Forum. Es wird spekuliert, Feldbeobachtungen aus den schwulen Clubs in Berlin, Köln und München werden berichtet und sowieso kennt irgendwer immer irgendwen der irgendwas mit einem bisher ungeouteten Promi hatte.

Man kann das unterhaltend finden, es als Boulevard abschreiben. Aber es lässt sich auch fragen:  Woher kommt dieser Wunsch, (schein-)schwule Promis zu identifizieren? Es geht um Vorbilder und Idole. Es geht darum, dass es einen von "uns" gibt, der in Medien steht und an der uns Orientierung bietet.

Denn die wenigsten haben während es ihres Coming-outs eine schwule Person in ihrem Umfeld, zu der sie aufschauen können. Bei den schwulen Stars ist das anders. Sie sind unbeschränkt als Vorbilder verfügbar, sind cool, weil sie prominent sind und vielleicht auch noch schwul: "Schau, der ist auch so wie wir" oder "Guck, der ist schwul und erfolgreich". Es geht um Selbstbestätigung und Zugehörigkeit.

Tina Gill / PR Photos
US-Schauspieler Zachary Quinto hat sich vor vor kurzen als schwul geoutet.

US-Schauspieler Zachary Quinto hat sich vor vor kurzen als schwul geoutet.

Ungeoutete Promis sind für diese Zwecke nur mäßig geeignet. Besser sind da schon die "bekennenden Schwulen", wie es in den Mainstreammedien oft heißt. Sie sind abzugrenzen von den bekennende Heterosexuellen, die mit ihren Beziehungsgeschichten einer ganzen Branche ihr überleben sichern. Hingegen sind die "bekennenden Schwulen" gewissermaßen die Repräsentanten der homosexuellen Männer.

Getreu dem Motto "Das private ist politisch" machen sie Sexualität zum öffentlichen Thema und fördern damit zumindest eines: In der Öffentlichkeit wird über Schwule gesprochen und es stellt sich die Erkenntnis ein: Ja, Schwule gibt es wirklich und sie sind genauso normale und unnormale Menschen wie Heteros auch!

Sexualität ist Privatsache

Folgt man strickt dem Prinzip "Das private ist politisch", so wäre jeder offen schwule Promi ein Gewinn für die Schwulenbewegung und ein Schritt zur Akzeptanz. Aber man darf dabei nicht vergessen: Die Sexualität eines jeden Menschen ist seine Privatsache. Ob ein Schauspieler, Moderator oder Fußballer schwul ist, das geht nur ihn und sein privates Umfeld etwas an. Er steht nicht wegen seiner Sexualität in der Öffentlichkeit, sondern wegen seinem Beruf und seiner Leistung.

Schade, dass das manchmal vergessen wird. Dabei müsste man doch als schwuler Mann ganz genau wissen, wie belastend es sein kann, dass andere Mitmenschen wie Klassenkameraden, Kollegen und Kommilitonen über die eigene Sexualität spekulieren.

Es bleibt deshalb dabei: Sexualität ist Privatsache. Das muss man akzeptieren - genauso wie die Tatsache, dass  für die Homosexualität einiger Promis eher der Wunsch Vater des Gedanken ist. Denn wenn jemand schwul ist, dann heißt das ja auch, dass es eine sehr kleine Chance gibt, mit dieser Person etwas anzufangen

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