"Ist mein Freund vielleicht schwul?"

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
"Ist mein Freund vielleicht schwul?"
Shane Chambers

Der Kurzfilm "Closet Case" folgt einer Dreiecks-Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann, seinerFreundin und seinem Geliebten. Der US-AmerikanerLevi Chambers hat den Film während seines Studiums produziert. Im Interview erzählt der 23-Jährige von bi-neugierigen Studenten an seiner Uni und Lachanfällen beim Dreh.

Dein Film handelt von einem jungen Schwulen, der mit einem Mann und  einer Frau gleichzeitig zusammen ist. Woher kommt dieses Thema?
Ich musste an der Uni einen Film drehen. Und mein Freund sagte: Warum machst du nicht etwas über dieses Thema. Mir gefiel die Idee. Denn ich wollte ein Thema, dass anders ist. Es sollte aber nicht promisk oder typisch schwules sein. Ich wollte etwas Ernsthaftes machen. Und ich glaube, das habe ich geschafft.

Wie bist du in das Thema eingestiegen? Wo hast du recherchiert?
An meiner Universität gab es eine Menge Typen, die entweder bi-neugierig sind, promisk oder einfach beides ausprobieren möchten. Es passiert hier tatsächlich oft, dass Männer mit einem Mann laufen haben, während sie etwas mit einer Frau in einer Beziehung sind.

Eine ganz gewöhnliche Sache im christlichen USA-Bundesstaat Arizona.
Das ist richtig. (lacht)

Als ich den Film gesehen habe, fragte ich mich: Was ist schlimmer der Betrug an der Freundin oder das der Mann es nicht schafft, sich zu outen?
Ich glaube das ist beides gleich schlimm. Die Freundin hat es natürlich schwer, weil sie betrogen wird. Aber Coming-out und sich selbst zu finden, kann auch sehr schwer sein.

Du verurteilst das beides nicht und kommst nicht mit der Moralkeule daher.  Hast du dich deshalb auch für ein offenes Ende entschieden?
Ja, ich glaube der Film betrifft dadurch mehr Zuschauer. Denn es gibt Menschen, die in einer Beziehung mit einer Frau oder einem Mann sind, die mal in die eine und mal in die andere Richtung gehen. Sie müssen sich nicht entscheiden. Wenn man das Ende offen lässt,  kann der Zuschauer diese Entscheidung für sich selbst treffen.

Shane Chambers
Das Thema von "Closet Case" drängte sich Levi gerade zu auf. An seinem College gäbe es sehr viele bineugierige Typen, die ihre Freundinnen betrügen und andersherum.

Das Thema von "Closet Case" drängte sich Levi gerade zu auf. An seinem College gäbe es sehr viele bineugierige Typen, die ihre Freundinnen betrügen und andersherum.

Muss man eine Entscheidung treffen?
Ich persönliche würde keine Entscheidung treffen. Aber ich möchte, dass der Zuschauer sie trifft. Um wirklich glücklich zu sein, musst du wissen, wer du bist. Du kannst nicht hin- und herspringen. Für den Film wollte ich das offen lassen: vielleicht war das Schwulsein nichts für ihn, vielleicht war die Frau nichts für ihn.

Was wolltest du denn noch beim Zuschauer für Gefühle hervorrufen?
Ich wollte ein wenig schockieren. Heteromädchen, die den Film schauen, sollten sich fragen: Hey, ist mein Freund vielleicht schwul? Hat er mich auch mit einem Mann betrogen? Ich wollte zeigen, dass Schwulsein nicht mehr so obskur ist. Jeder kann diese Gefühle für einen anderen Mann haben. Es muss aber nicht unbedingt ein schwuler Mann sein. Er ist vielleicht in einer Beziehung mit einer Frau, aber mag trotzdem auch Männer.

Es ist bemerkenswert, dass du Regie geführt und auch selbst im Film mitgespielt hast. Wie hat das funktioniert?
Ich war nur in drei kleinen Szenen  zu sehen (Freund im Bett, Anm. d. Red.). Es waren also nur drei Kameraeinstellungen. Ich habe die Szenen nach meinem Geschmack eingerichtet, und den Rest hat dann der Kameramann gemacht. Das funktionierte ganz gut.

Dein Freund hat die männliche Hauptrolle gespielt und eine Freundin von dir die Frau. Wie war die Arbeit am Set?
Es gibt da eine ganze Reihe von besonderen Momenten, z.B. als wir die Szene drehten, in der die Freundin ans Bett kommt und sich hineinlegt. Wir haben das ungefähr 20 Mal gemach, weil wir einfach nicht ernst dabei bleiben konnten. Jedes Mal, wenn sie mich anfasste, fühlte es sich nur unbeholfen an. Wir bekamen immer einen Lachanfall und konnten nicht wieder aufhören.

Lass uns zum Ende noch in die Zukunft schauen: Wie gehts bei dir weiter?
Ich schreibe momentan an einigen Drehbüchern. Ich habe auch schon darüber nachgedacht, "Closet Case" in einen Spielfilm umzuwandeln. Die jetzige Version wäre quasi die Essenz des Films. Aber in 90 Minuten kannst du das Thema besser ausbreiten und eine ernsthafte Message platzieren.

Dafür wünsche ich dir auf jeden Fall viel Glück. Danke für das Interview.

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