Liebe, Sex und Biestigkeit

Redaktion Von Redaktion

Warnung: Dieser Artikel behandelt eines der emotionalsten und kitschigsten Fernsehergenres und sollte deshalb nur von Leuten gelesen werden, die bei großen Gefühlen nicht gleich zwei Stunden weinen müssen.

Direkt am Anfang eine Warnung an alle, denen bei übermäßigen Emotionen das Essen wieder hoch kommt! Dieser Artikel behandelt eines der emotionalsten und kitschigsten Fernsehergenres und sollte deshalb nur von Leuten gelesen werden, die bei großen Gefühlen nicht gleich zwei Stunden weinen oder die einen starken Magen haben.

Sie wenden sich an Jugendliche, die mitten in der Pubertät sind bzw. diese gerade hinter sich haben, oder Leute, die Bäcker, Eiskunstläufer oder fieser Anwalt werden wollen. Die Rede ist natürlich von Soaps. Obwohl sie sehr umstritten sind, brechen sie jeden Abend die Zuschauerrekorde - und es scheint, dass sie sich auch noch vermehren. Meister der Soaps ist der Sender, der mal in einer kleinen Garage in Luxemburg angefangen hat und jetzt seinen Sitz in Köln hat.

Jetzt haben die RTL-Soaps "Alles was zählt" und "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" ein neues Thema entdeckt: Homosexualität. Zwar gab es in Soaps schon schwule und lesbische Rollen, aber diese zwei Sendungen greifen das Thema jetzt fast parallel stärker als alle vor ihnen auf. Mangel an Ideen, Marketingtrick oder einfach eine positive Entwicklung?

Für alle, die nicht zu den regelmäßigen Zuschauern gehören, eine kleine Zusammenfassung: Bei GZSZ hat sich die junge Franzi in ihre Freundin Paula verliebt, was sie aber erst nach einer langen Irritationsphase zugibt. Paula geht zwar teilweise auf die Gefühle ihrer Freundin ein, aber im Gegensatz zu Franzi geht es bei ihr nicht um wahre Liebe.

Franzis Gefühle sind aber so stark, dass sie sich von ihrem Freund Philipp trennt, der natürlich total fertig ist. Zufälligerweise ist Philipps Halbbruder auch noch der Ehemann von Paula (wer hätte das gedacht?). Also darf keiner irgendwas erfahren. Aber weil Philipp so fertig ist, hat er so viel Druck gemacht, bis er es erfahren hat - und sein Bruder weiß es jetzt auch... blöde Situation. Mittlerweile ist Paula weggezogen und Philipp und Franzi verstehen sich wieder besser.

Bei AWZ ist das Szenario fast genau so komplex. Seit Beginn der Sendung gibt es schon den schwulen Eiskunstläufer Roman Wild, der sich natürlich nach Liebe sehnt. Dann taucht Deniz auf, dessen Vater Marian hinter seiner toleranten Fassade eine konservative türkische Mentalität hat. Deniz wirkt am Anfang wie ein Macho, hat auch eine Freundin, Nina ihr Name. Aber er hat viele Zweifel und ahnt, dass er schwul sein könnte. Nach einem Kuss mit Roman werden seine Zweifel größer. Dann kommt es zu einem Ereignis, das Deniz total fertig macht: Roman wird von homophoben Jugendlichen zusammengeschlagen, Deniz sieht es und ergreift die Flucht.

Romans Karriere ist wegen seiner Verletzungen wahrscheinlich aus. Roman und Deniz kommen sich näher, Deniz glaubt immer mehr, dass er schwul ist. Aber sein Vater hat Probleme damit und seine Freundin Nina weiß es auch noch nicht. Dann muss er Roman auch noch gestehen, dass er den Angriff gesehen hat und nichts getan hat. Dieser ist natürlich wütend und es kommt erst später wieder zur Annäherung. Deniz muss sich aber jetzt bei Nina outen, die es nicht verkraftet - und Marian kommt auch, obwohl er versucht, es sich nicht anmerken zu lassen, nicht mit der Homosexualität seines Jungen klar. Mit der Zeit gewöhnt er sich immer mehr dran, obwohl es ihm am Anfang sehr schwer fällt damit klar zu kommen, dass Roman und Deniz ein Paar sind.

Die Geschichten sind also genau so komplex wie die anderen Geschichten in Soaps. Die einzige Frage, die sich stellt, ist, warum gleich zwei Sendungen jetzt Homosexualität "entdeckten". Eine mögliche Erklärung könnte sein, dass den Autoren die Ideen ausgegangen sind und sie dann Homosexualität als Thema aufgriffen. Möglich ist es.

Es könnte auch ein fieser Marketingtrick der Produzenten sein. Beim Fernsehen ist man auf Quoten, also eine möglichst große Anzahl an Zuschauern angewiesen. Mit den schwulen und lesbischen Geschichten zieht man sicher neue Zielgruppen an. Ein Coming-out ist auch (wenn die Umstände komplex gestaltet werden) sehr emotional. Werden wir Schwulen also wegen Geld ausgenutzt? Wäre auf jeden Fall nicht schlimmer als kleine Kinder auf die böse Treppe zu setzen oder untalentierte Menschen sich bei Dieter Bohlen blamieren zu lassen.

Aber es könnte auch einfach nur so sein, dass die Macher von GZSZ und AWZ sich an die Realität anpassen wollten. In der heutigen Zeit, wo Homosexualität in der Gesellschaft akzeptiert wird (muah), können Soaps, die angeblich die Emotionen unserer Jugend wiedergeben sollen, daraus kein Tabu machen. Da eine bedeutende Anzahl Menschen schwul/lesbisch sind, müssen auch homosexuelle Menschen im Fernsehen auftreten, ohne dass man dafür spezielle Sendungen machen muss.

Welchen Grund die Macher der RTL-Soaps jetzt wirklich hatten, wissen nur sie selbst, aber ich persönlich meine, dass es eine Mischung von Marketingdenken und Anpassung an die Realität war. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis das Thema aufgegriffen werden musste. Es ist eine Tatsache, dass es schwule Jugendliche gibt, und es ist auch bewiesen, dass viele Jugendliche ihre Soapstars als Idole betrachten. Warum soll man das nicht mischen? Dem Sender bringt es auch noch mehr Quoten, also mehr Geld. So ist doch jeder glücklich, oder?

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Weitere Quellen: www.rtl.de/alleswaszaehlt