"Männer al dente"

Redaktion Von Redaktion
"Männer al dente"
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Ein türkischer Regisseur, italienisches Flair und ein Thema, das alle bewegt. Ein Film darüber, dass jeder Moment der richtige ist, um zu beginnen, glücklich zu sein!

Tommaso hat ein Problem: Er soll zusammen mit seinem Bruder in die Pastafabrik seines Vaters einsteigen, in die Fußstapfen des Papas treten. Leider hat er nicht, wie alle dachten, Wirtschaft studiert, sondern will Schriftsteller werden. Auch von seiner Homosexualität und seinem freien Leben zusammen mit seinem Freund Marco in Rom weiß zu Hause niemand etwas.

Da er nicht vorhat auf dem Landsitz der Familie die Verantwortung zu tragen, muss ein Befreiungsschlag her. Ein Coming-out vor der ganzen Familie plus Geschäftspartner soll den Vater dazu bewegen, ihn hinauszuwerfen und ihm somit die Freiheit zu sichern.

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Vom Bruder ausgetrickst

Hier beginnt die Geschichte aus dem Ruder zu laufen: Der Bruder greift Tommasos Idee auf und verhilft sich selbst durch ein Coming-out zur Freiheit, der Vater erleidet einen Herzinfarkt und die Familie sieht in Tommaso den Retter des Unternehmens. An ein Outing ist nun nicht mehr zu denken, der Sohn will den Vater schließlich nicht ins Grab bringen. Die Situation ist absurd. Der Bruder ist auf und davon und ausgerechnet Tommaso soll der versammelten Familie mit der Bewältigung dessen Coming-outs helfen. Ausgerechnet er, der sich auf der einen Seite ebenfalls weit weg wünscht, auf der anderen seine Familie nun nicht im Stich lassen will!

Als wäre die plötzliche Zuneigung des Vaters zu seinem einzigen "normalen" Kind nicht genug, kommt die Tochter des Geschäftspartners Tommaso wesentlich näher, als er sich das hätte träumen lassen. Die unnahbare Stöckelschuhträgerin verunsichert Tommaso zwar zutiefst, dennoch ist sie seine einzige Verbündete was die Führung des Unternehmens angeht. Zur Unterstützung reist Tommasos Freund Marco unangemeldet mit einer Gruppe befreundeter Großstadthomos aus Rom an, die ihrem Freund zuliebe ihre Neigung "äußerst erfolgreich" verheimlichen und das Leben auf dem Landsitz aufmischen.

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Waschechte commedia all´italiana

Der Film erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der von allen Seiten mit Erwartungen konfrontiert, seine eigenen fast zu vergessen droht. Dennoch ist es keine dramalastige, mit Selbstmitleid überschüttete Seifenoper. Der Film ist eine waschechte commedia all´italiana, was für witzige Dialoge, bunte Bilder und einmalige Charaktere steht. Die meistenteils angetrunkene Tante belebt den Film ebenso wie die langsamen und unmotivierten Hausangestellten. Spätestens mit Eintreffen der sympathischen (und gutaussehenden) Freunde aus Rom sind die Lachmuskeln gefordert. Trotz des Klamauks und des schnellen Tempos verliert der türkische Regisseur Ferzan Ozpetek die Kernaussage der Geschichte nicht aus den Augen: "Es kostet mehr Kraft zu schweigen, als das zu sagen, was man denkt".

"Männer al dente" könnte man als italienisches Gegenstück zum französischen Film "Meeresfrüchte" sehen. Sicher ist jedoch, dass es seit langem keinen Film mehr gegeben hat, der mit der schwulen Thematik so humorvoll und sympathisch umgegangen ist und so ein gutes Gefühl beim Verlassen des Kinosaales hinterlassen hat.

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