Mein Bruder, der Held

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Mein Bruder, der Held
Salzgeber

In Thailand müssen alle 21-Jährigen zur Wehrdienst-Verlosung. So auch Ek, der anders als sein Partner Jai nicht genug Geld hat, sich davon freizukaufen. Dabei muss doch jemand auf seinen kleinen Bruder aufpassen.

Oat vergöttert seinen großen Bruder Ek. Seitdem ihre Eltern gestorben sind, passt der 21-Jährige auf seinen zehn Jahre jüngeren Bruder auf. Er beschützt ihn. Oat sieht zu ihm auf, er bewundert ihn. Denn Ek hat einen aufregenden Job in einer Bar, ein schnelles Motorrad, einen hübschen Freund.

Oat wünscht sich nichts mehr, als einmal mit in die Bar zu kommen, in der sein Bruder arbeitet. Wenn er ihn beim Brettspiel Dame besiegt, verspricht er ihm, dann darf Oat mitkommen. Doch Ek ist erst einmal nicht nach Dame spielen zumute: Er bekommt den gefürchteten Brief.

Oat ist jedes Mittel recht, um seinen Bruder nicht zu verlieren

Denn in Thailand müssen alle 21-Jährigen zur militärischen Ziehungszeremonie. Wer zum Wehrdienst muss, wird ausgelost. Eine schwarze Kugel steht für Freiheit, eine rote für zwei Jahre Militär. Ek hat Angst vor seinem Schicksal. Anders als sein Freund Jai, denn dessen Eltern leben ein ganz anderes Leben als Oat und Ek. Sie haben genug Geld, den lokalen Schwarzmarkt-Boss zu bestechen. Der sorgt dafür, dass Jai eine schwarze Kugel ziehen wird.

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Da erfährt er auch, was das für eine Bar ist...

Da erfährt er auch, was das für eine Bar ist...

Das merkt auch der 11-jährige, übermütige Oat. Ihm ist fast jedes Mittel recht, um seinen Bruder nicht zu verlieren. Er nimmt allen Mut zusammen und will gegen das Schicksal der Armut kämpfen. Das hat schlimme Folgen, wie er erst später merken wird.

So kalt, so brutal kann das Leben laufen

"Mein Bruder, der Held" ist ein ungeschönter, authentischer Film. Armut und Verzweiflung sind Oat und seiner Familie ins Gesicht geschrieben. Dennoch lassen sie sich nicht unterkriegen. Die Tante, die täglich betet und Fische des Karmas wegen freilässt, ist ein deutliches Zeichen dafür.

Die jungen Nachwuchsschauspieler Ingkarat "Ryu" Damrongsakkul (Oat) und Thira "Um" Chutikul (Ek) schaffen es, dass die Zuschauer die Liebe der Brüder mitfühlen können. Die schwankt zwischen Bewunderung und genervt sein so wie bei wohl allen Geschwistern.

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Ek und sein Freund Jai: Die Liebe überwindet die Unterschiede.

Ek und sein Freund Jai: Die Liebe überwindet die Unterschiede.

Zwar folgt das Drama einem klassischen Spannungsbogen, an dessen Spitze die Zeremonie steht, doch hält Regisseur und Drehbuchautor Josh Kim auch davor und danach noch einige Momente bereit, in denen der Zuschauer schlucken muss. So kalt, so ehrlich, so traurig und brutal kann das Leben laufen.

Eintauchen in eine fremde Welt

Während das Familienleben im Fokus des Films steht, kommt die Beziehung zwischen Ek und Jai ein wenig zu kurz. Dass die beiden ein zu unterschiedliches Leben führen, um dauerhaft zusammenzuleben, schwebt den ganzen Film über im Raum. Die beiden sprechen den Konflikt aber nie an. Aus Angst vor der Wahrheit? Gewissheit tut weh.

Die schnellen Schnitte und die starken Kontraste zwischen Zeremonie, ruhigem Familienleben und Drag-Queen-Bar machen den sonst recht konventionellen thailändischen Beitrag zur Berlinale 2015 auch zu einem optischen Highlight. Die Bilder lassen uns eintauchen in eine exotische, fremde Welt, in der vieles so anders läuft als bei uns.

Mein Bruder, der Held
TH, US, ID 2015
80 Minuten
Edition Salzgeber

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