Neu im Kino: Die Wunde

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Neu im Kino: Die Wunde

Salzgeber

Wie jedes Jahr sehen sich Xolani und Vija beim traditionellen Beschneidungs-Ritus. Doch dieses Mal bringt der junge, rebellische Kwanda ihre verboten-leidenschaftliche Affäre durcheinander. „Die Wunde“ ist ein sensibler und ergreifender Einblick in eine Welt voller Widersprüche.

Sie gehen auf den Berg. Weit abgeschieden, fern von Straßen und anderen Menschen, vor einer bildgewaltigen Kulisse, sollen sie zu Männern werden: Teenager vom südafrikanischen Volk der Xhosa sollen beim traditionellen Beschneidungsritual teilnehmen. Dafür ziehen sie sich mit ihren Begleitern in eine Mischung aus Zeltlager und Survival Camp zurück auf den Berg.

Xolani und Vija treffen sich jedes Jahr auf dem Berg. Sie sind zwei der Begleiter, die den Jungen bei den Schmerzen und Torturen helfen sollen. Doch sie erleben ihre ganz eigenen Qualen, haben leidenschaftlichen Sex, schwelgen in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten, und merken, dass es so eigentlich nicht weitergehen kann. Der verheiratete Vija will das nicht wahrhaben. Xolani beschließt, im kommenden Jahr nicht mehr zu kommen.

Xolani ist nicht bereit für die Wahrheit

Zu den Schmerzen, welche die Beschneidung ohnehin schon mit sich bringt, kommt bei Kwanda noch die Ausgrenzung: Er ist der Junge aus der Stadt, der sich für etwas Besseres hält, der teure Turnschuhe trägt, auf den zu Hause Satellitenfernsehen und ein iPhone wartet. Die anderen können mit ihm nicht viel anfangen. Hier treffen Stadt auf Land, Reich auf Arm – und schwul auf hetero. Denn das Gerücht, dass Kwanda kein „echter Mann“ ist, macht schnell die Runde

Salzgeber

Vija (l.) und Xolani (r.) treffen sich einmal jährlich beim traditionellen Beschneidungsritual.

Vija (l.) und Xolani (r.) treffen sich einmal jährlich beim traditionellen Beschneidungsritual.

Kwanda ist das ziemlich egal. Er hat sowieso viel eher Augen für Xolani, seinen Begleiter. So bringt der Jugendliche einiges durcheinander. Er schafft es, Xolani die Augen zu öffnen, und wird gleichzeitig eifersüchtig auf Vija. Doch Xolani ist nicht bereit für die Wahrheit. Er verhaftet lieber in der Illusion, in der Vergangenheit – und resigniert.

Der Film stellt große Fragen

Regisseur John Trengove hat mit seinem Spielfilmdebut „Die Wunde“ ein einfühlsames, aufrührendes Drama über sein Heimatland geschaffen, das einen Einblick in eine Welt gibt, die sonst im europäischen Kino kaum eine Rolle spielt. Von besonderer Intensität sind die Kontraste, die er aufwirft: Von echten – beschnittenen – und unechten Männern, von Stadt und Land, Tradition und Moderne, von Liebe und Lust

Salzgeber

Kwanda (l.) bringt ihre Affäre ins Wanken.

Kwanda (l.) bringt ihre Affäre ins Wanken.

Der Film, der vor allem im zweiten Teil dynamischer und schneller wird, wirft dabei große Fragen auf: Wie kann es in einem Land, das als allererstes der Welt die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung in der Verfassung verboten hat, und das als fünftes der Erde die Ehe für Homosexuelle geöffnet hat, so eine starke Abneigung gegen gleichgeschlechtliche Liebe vorherrschen?

Wie lange schafft man es, Gefühle zu unterdrücken, und was passiert, wenn Wut und Verzweiflung unser Handeln lenken? Wie männlich kann ein Mann sein, der mit einem Mann schläft, während die Frau das dritte Kind bekommen hat? Und: Wie umgehen mit einer Liebe, die nicht sein darf?

Übersicht: Hier läuft "Die Wunde" im Kino

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