"Praunheim Memoires"

Daniel Kosic Von Daniel Kosic
"Praunheim Memoires"
RobertSchittko

Mit "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" konnte Filmemacher Rosa von Praunheim 1971 seinen ersten großen Erfolg feiern. Fast ein halbes Jahrhundert später lässt er das Geschehene nochmals Revue passieren und nimmt uns mit auf eine sehr persönliche Zeitreise.

Spricht man von Rosa von Praunheim, kommt einem mehr oder weniger schnell ein schillernder Hut in den Sinn. Der Hut, indirekt wohl das Markenzeichen des Filmemachers, ist irgendwie auch ein perfektes Sinnbild für das Leben des mittlerweile über 70-Jährigen. Schillernd, bunt und keiner Norm entsprechend - dabei aber stets stilgerecht.

Umso interessanter, dass Rosa von Praunheim uns nun für gut zwei Stunden in seine eigene Vergangenheit zurückkatapultiert. In "Praunheim Memoires" plaudert er dokumentarisch und authentisch aus dem Nähkästchen. Er trifft auf Bekannte aus alten Tagen wie etwa auf seinen Deutschlehrer. Und liefert dem Zuschauer einen Einblick auf das damals weltoffene und absolut "undeutsche" Frankfurt der 1950er und 60er Jahre.

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Holger Bernhard Bruno Mischwitzky (so der bürgerliche Name des Künstlers) in jungen Jahren.

Holger Bernhard Bruno Mischwitzky (so der bürgerliche Name des Künstlers) in jungen Jahren.

Weniger Glitzer, mehr Authentizität

Der Dokumentarfilm besitzt dabei die unabdingbare Liebe zum Detail und präsentiert eine Ansammlung aus witzigen, ernsten und berührenden Momentaufnahmen. Gezeigt werden stellenweise auch Archivbilder, Szenen aus dem größtenteils queeren Repertoire des Filmemachers sowie nette kleine Zeichentrick-Animationen. Dabei besitzt der Film keine lineare Erzählweise und ist trotz der vielen historischen und persönlichen Ereignisse auch für Praunheim-Einsteiger gut zugänglich.

Die "Memoires" belichten, wie es zum markten und außergewöhnlichen Künstlernamen kam, weshalb Rosa von Praunheim seinen ersten Sex mit einem Mann ausgerechnet in Istanbul hatte und wieso er sich erst auf der Werkkunstschule in Offenbach so richtig entfalten konnte. Daneben werden auch einige Gespräche rund um das Thema Homosexualität geführt - allen voran erfährt der Zuschauer auch etwas von dem alltäglichen Schrecken rund um den schwulenfeindlichen Paragraphen 175.

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Rosa von Praunheim hat eine starke Bindung zu Frankfurt am Main.

Rosa von Praunheim hat eine starke Bindung zu Frankfurt am Main.

Ein neues, unzensiertes Bild des Regisseurs

Punkten kann der Film insbesondere durch seine Leichtigkeit: All die historischen und biographischen Informationen kommen unterhaltend daher und vermitteln sogar teils nostalgische Gefühle. Die Zeitreise durch das damals pulsierende und aufstrebende Frankfurt hinterlässt Spuren und lädt zum melancholischen Nachdenken ein. War die Stadt damals noch Hochburg der Toleranz und Weltoffenheit, gilt sie heute unter bösen Zungen als "Bankfurt" - als Stadt des herzlosen Kapitals und der Macht.

Auch die teilweise sehr emotionalen Begegnungen mit Freunden, Wegbegleitern und Kollegen gelten als kleine Höhepunkte der "Praunheim Memoires". Dem Zuschauer wird ein neues, unzensiertes Bild des Erfolgsregisseurs geboten, sodass einem am Ende neben ein wenig Melancholie eigentlich nur noch die Worte "Hut ab" bleiben. Egal ob der Hut dann glitzernd ist oder nicht.

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