Sich umschwirrende Glühwürmchen

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
Sich umschwirrende Glühwürmchen
Pro Fun Media

Bruno hat den perfekten "Plan B", um sich an seiner Ex-Freundin zu rächen. Er will ihren neuen Freund rumkriegen. Aber das Spiel, welches er beginnt, wird bald zum Spiel mit dem Feuer.

Um es vorweg zu nehmen: Dieser Film verdient einfach nur Applaus. Nein, mehr noch: Standing Ovation sollte er bekommen. Denn er ist einer der herausragenden, wenn nicht sogar DER herausragende schwule Film in diesem Jahr dank zwei absolut authentischer Hauptdarsteller, überzeugender Kameraarbeit und einer Geschichte, wie sie nicht schöner hätte geschrieben werden können.

In Buenos Aires lebt Bruno mit seiner Freundin Laura, die ihn plötzlich verlässt. Aus Kränkung und weil er Laura zurückhaben will und nicht kann, schmiedet er seinen "Plan B". Er will Lauras neuen Freund,  Pablo, verführen. Im gemeinsamen Sportstudio gelingt es Bruno, Pablos Blicke auf sich zu ziehen und sich kurze Zeit später mit ihm anzufreunden.

Beim Spiel mit dem Feuer entflammen Brunos Gefühle

Bruno gibt vor, Pablos Lieblingsserie zu mögen, zeigt sich begeistert für Fotografie und macht das, was zwei pubertierende Jungs miteinander tun: feiern, trinken, Joints rauchen und über die Welt philosophieren. Bruno und Pablo schwirren wie zwei Glühwürmchen umeinander. Aber bald schon wird das Spiel zum Spiel mit dem Feuer. Brunos kühner Plan B wird von aufkeimenden, echten Liebesgefühlen zu Pablo durchkreuzt. Und auch Pablo ist verwirrt, was das zwischen den beiden ist: Freundschaft, Abenteuer oder Liebe?

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Authentische Typen: Manuel Vignau in der Rolle des charmanten Aufreißers Bruno. Von Klischee ist in "Plan B" keine Spur.

Authentische Typen: Manuel Vignau in der Rolle des charmanten Aufreißers Bruno. Von Klischee ist in "Plan B" keine Spur.

Ganz und gar überzeugenden spielen Manuel Vignau (Bruno) und Lucas Ferraro (Pablo) zwei sich begehrende Mitzwanziger. Obwohl das, was sie tun, kein Schauspiel ist. Die beiden gehen in ihren Rollen so auf, dass man glauben möchte, es sei kein Film sondern die Wirklichkeit. So echt spielen Vignau und Ferraro. Dabei kommen ihre Handlungen ganz ohne Klischees aus, als wären es zwei Jungs von nebenan: Bruno, mit seinem langen, gewellten Haar und dem Bart, ist charmanter Aufreißer und Lebemensch. Pablo hingegen, etwas schüchterner, gibt den etwas in sich gekehrten Denker.

Und dann gibt es noch eine dritte Person, die nicht im Bild zu sehen aber anwesend ist. Es ist der Blick der Kamera. Wenn sich Pablo und Bruno vor dem Schlafengehen umziehen, dann steht die Kamera auf Hüfthöhe. Sie zeigt in einer Nahaufnahme,  wie die beiden ihre Hosen ausziehen und so den Blick ins Intime freigeben.

Wenn Bruno im Bett liegt und sich auf den Bauch dreht, so als würde er  erwarten, dass  sich Pablo von hinten an ihn anschmiegt, dann zeigt das Kamera. Sie fängt die knisterende Erotik zwischen Pablo und Bruno ein; das Begehren, dass durch einen mutigen Blick auf den Po oder Genitalbereich des Anderen angeheizt wird. Dabei ist die Kamera aber nie obszön sondern einfach nur authentisch. Sie zeigt das Verlangen, dass zwischen den beiden in der Luft liegt.

Ein Stream aus Bildern und Gefühlen - und wir mittendrin

Das gelingt auch deshalb, weil Drehbuchautor und Regisseur Marco Berger der Beobachtung viel Raum lässt. Die Szenen sind meist lang und kommen mit wenigen bis gar keinen Schnitten aus. Im Gegenzug dafür ist die Kamera (Thomas Perez Silva) dynamisch. Sie verfolgt das Geschehen statt es in Stücke zu zerlegen. Und so wirkt "Plan B" umso echter, ja sogar leicht dokumentarisch.

Was wir als Zuschauer zu sehen bekommen, ist wie ein Stream aus Bildern und Gefühlen, aus Abstoßung und Anziehung der Protagonisten und wir selbst werden in diesen hineingezogen. Man fühlt sich in die Situation zurückversetzt, als wir um die Liebesgefühle unseres besten Freundes gebuhlt haben. Ein sehr sehenswerter Film.

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Weitere Quellen: Pro Fun Media GmbH