Streaming: Große Geschwisterliebe und ein kleines Kaninchen

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Streaming: Große Geschwisterliebe und ein kleines Kaninchen

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Dany flieht nach dem Tod seiner Mutter nach Athen, wo er seinen älteren Bruder Ody trifft. Die Suche nach ihrem Vater wird zu einer wahren Odyssee – geprägt von Gewalt, griechischen Schlagern, Fremden- und Schwulenfeindlichkeit. „Xenia“ ist weder einfach noch geradlinig, dafür umso sehenswerter. Der Film ist noch bis Montag in der arte-Mediathek zu sehen.

Dany fällt auf. Der schwule 15-Jährige hat wasserstoffblonde Haare, einen langen Pony, trägt pinke Hosen. Sein weißes Kaninchen Dido ist immer dabei – mal lebendig, mal als Plüschtier und nach seiner Beerdigung überlebensgroß. „Tunte!", wird ihm auf der Straße hinterhergerufen. Er steht nicht darüber, sondern will sich wehren. Angriff ist die beste Verteidigung. Dass das nicht immer funktioniert, lernt er, als er von Kreta nach Athen aufbricht. Nach dem Tod seiner Mutter trifft er dort seinen zwei Jahre älteren Bruder Ody.

Der hat von Anfang an ein ungutes Gefühl, er wittert Ärger. So sehr sich beide auch unterscheiden, die Geschwisterliebe vereint sie immer wieder. Zusammen beschließen sie, nach ihrem Vater – „dem Namenlosen" – zu suchen. Von ihm erhoffen sie sich Geld und den griechischen Pass, denn beide sind Halb-Albaner. Der griechische Vater ist Mittel zum Zweck, was haben die beiden schon zu verlieren.

Dany: unangepasst, vulgär, pubertär 

Der Weg der beiden wird durch Danys unkontrollierbare Wutausbrüche erschwert. Dany ist kein leichter Charakter. Ein unangenehmer Typ, der ausrastet und sich in Details hineinsteigert. Seine Handlungen sind oft nicht nachvollziehbar, er lässt die Zuschauer ratlos zurück. Stellenweise wirkt er unsympathisch, um kurze Zeit später mit seiner naiv-kindlichen, aber doch bestimmten Art die Herzen der Kinogänger zu erobern. Er ist ambivalent, unangepasst, pubertär und vulgär; er provoziert gerne. Das gipfelt in einer Schlägerei der zwei Brüder, doch die beiden raufen sich zusammen. Dabei hilft ihnen schließlich auch die Musik, die als Bindeglied zwischen heiter-fröhlichen und melancholisch-traurigen Momenten dient.

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Dany und Ody

Dany und Ody

Überhaupt sind es die Stimmungswechsel, die den Film charakterisieren. Sie treffen die Zuschauer unvermittelt, manchmal auch zu plötzlich. Trotzdem bleiben die knapp über zwei Stunden authentisch und realistisch, auch wenn Regisseur Panos Koutras die Szenen alles andere als geradlinig aneinanderreiht. Er verleiht dem Film zwar einen Spannungsbogen, der aber vom gewohnten abweicht. Statt einem Höhepunkt scheint „Xenia" viele kleine Spannungsmomente zu haben, die sich langsam aufbauen, um mal abrupt, mal sachte in den nächsten überzuleiten. Am Ende bleiben offene Fragen, doch das ist das schöne: Wir wissen nicht, wohin die Reise von Dany und Ody führt, wir können es nur ahnen. 

Eine Odyssee durch unheimliche Welten 

„Xenia" trägt den Titel Dramödie zurecht: Der Wechsel zwischen Drama und Komödie, Homophobie und tiefen Emotionen, Psychokrieg und ausgelassener Stimmung – er gelingt hervorragend. So unterhaltsam und kurzweilig der Film auch ist, so bewegt und ratlos lässt er einen oft zurück. Regisseur Panos Koutras schickt uns auf eine Odyssee durch unheimliche Welten, die durch große Gefühle und fantastische Momente zum Leben erweckt werden.

Der Film ist nich bis Montag in der arte-Mediathek zu sehen!

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