The Boy Next Door

Falk Steinborn Von Falk Steinborn
The Boy Next Door
dbna/privat

dbna zeigt Kurzfilm über einen Callboy mit Angstattacken und spricht mit Jung-Regisseur Gregor Schmidinger über seinen Film, seine Ängste und den Kinderschänderwahn.

Eine Angstattacke eines Callboys, ein Junge der Monster sieht und die Sehnsucht nach Zuneigung. Das sind die drei Zutaten des Kurzfilms "The Boy Next Door". Er ist das Werk des österreichischen Jung-Regisseurs Gregor Schmidinger.

Bereits als 14-jähriger drehte er im Schlachthaus seines Vaters die ersten Splatter-Filme. Später studierte er "Digital Television" an der Uni Salzburg. Mit dem Abschluss in der Tasche will er nun aus "The Boy Next Door" einen Spielfilm machen. 

Im Interview mit dbna spricht Gregor Schmidinger (25, dbna-User) über Schlafwandeln, eine Kindheit ohne Mutter und den Kinderschänderwahn in der Gesellschaft.

Gregor, wann hast du deinen letzten Alptraum gehabt?
Ich bin immer schlecht im Traumerinnern. Ich weiß nur, dass sie immer aus verschiedensten Dingen aus meiner Vergangenheit zusammengestückelt sind. Sie haben oft etwas mit Verfolgen zu tun und es ist immer irgendwie dunkel, eng und nass (lacht). Mehr kann ich jetzt eigentlich nicht zurückrufen. Ich sollte mir die Träume mal aufschreiben.

Das würde ich auch sagen. Aber ist er denn schon lange her, dein letzter Alptraum oder kommt das heute auch noch vor?
Das kommt jetzt auch noch vor vor allem in emotionalen Stresssituationen. Ganz schlimm ist es übrigens, wenn ich drehe. Da beginne ich dann zu Schlafwandeln.  Ich rede im Schlaf und sage, wir müssen noch eine Szene drehen. 

Also das habe ich schon sehr krass. Bei "The Boy Next Door" bin ich noch zwei Wochen danach jede Nacht aufgestanden, ins Zimmer meines Mitbewohners gegangen und habe nach Schauspielern gesucht. (lacht) Das hat ihn ein bisschen genervt. Aber das hat sich dann auch wieder gelegt.

Du hast also jemanden gesucht, der deine Monster bekämpft. Monster ist ja eine Umschreibung für das Wort Angst.
Genau. Es ist eine Symbolik, die sehr leicht verständlich ist und weltweit funktioniert. Wir haben den Film auch in verschiedene Sprachen untertitelt. Und da wurde dann kulturell angepasst.

In China hat Monster zum Beispiel eine andere Bedeutung als bei uns. Das Wort ist deshalb mit Teufel übersetzt wurden, was ich sehr interessant fand. Aber dahinter steht ein Konzept, was immer mit Angst zu tun hat.

Was ist denn das größte Monster, das du bisher in deinem Leben besiegen musstest?
Das größte Monster, mit dem ich noch immer kämpfe, hat mit meiner Vergangenheit zu tun. Meine Mutter hat mich und meinen Vater verlassen, als ich zwei Jahre alt war. Das war eine sehr blöde Zeit, weil man da eigentlich seine erste Bindung und Vertrauen aufbaut.

Damit kämpfe ich noch sehr stark. Es ist deshalb auch das größte künstlerische Motiv, was ich auch in allen meinen Projekten zu ergründen versuche: das Konzept der bedingungslosen Liebe die auch eine Mutter für ein Kind hat. Das ist also das größte Monster: Die ständige Angst verlassen zu werden.

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Am Set: Mr. Brown in  der Maske

Am Set: Mr. Brown in der Maske

Im Film gibt es die Textzeile am Ende: "Du hast heute schon Monster getötet. Du weißt wie man das macht." Was ist denn nun das das Allheilmittel um die Monster zu bekämpfen?
Eigentlich Interaktion also menschliche Interaktion. Das ist beim "Boy Next Door" so gewesen. Marc hat ja auch sein Monster, das in Form von Panikattacken auftaucht. Und da geht es immer wieder darum, zu seinen Gefühlen zu stehen, diese zu akzeptieren, aber sich darin nicht zu verlieren.

Man soll daran nicht verzweifeln und man soll sie auch nicht unterdrücken. Ich würde nicht sagen, dass dieser Weg ein Allheilmittel ist - aber zumindest eine Technik, die man anwenden kann.

Justin hilft Mark, sein Monster für einen Moment zu bändigen. Ein User hat als Begründung auf deine Film-Homepage geschrieben: "Der Kontakt zu einem Kind kann die Welt verändern." Als ich den Film gesehen habe, dacht ich eher: Kindliches Verhalten kann die Welt verändern im Sinne von unschuldig und unvoreingenommen auf jemanden zuzugehen, auch wenn er vielleicht ein Callboy ist.  Ist das so ein bisschen der Clou?
Natürlich. Mit dem Konzept spiel ich auch. Ich habe ja diesen Callboy, der sexuelle sehr konnotiert ist, und bringe ihn zusammen mit einem Kind, das für Unschuld steht. Justin urteilt nicht, weil ihm letzten Endes die Erfahrung  und die Weltbilder fehlen. Das ist der Schlüssel für ihn. Er sagt, was er denkt und hat keine Bedenken, dass er geächtet wird.

Er bietet Mark eine Grundsicherheit die er sonst nirgendwo findet. Insofern ist dieser Kommentar schon sehr treffend, als man sich mit seinem inneren Kind wieder anfreunden und dessen Sichtweise wieder übernehmen soll.

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Mark hält Justin die Augen zu

Mark hält Justin die Augen zu

Das ist eine Chance, die der Vater verpasst hat. Ich finde, er ist das größte Opfer im Film.
Ja, er sollte der Reifere von allen sein. Aber natürlich hat er verloren, weil er am Ende ausgeschlossen wird. Dazu müsste man die Geschichte aber weiterführen.

Das hast du ja auch vor. Du willst aus "The Boy Next Door" einen Spielfilm machen. Weißt du denn schon, wie die Geschichte aussehen wird.
Ich habe eine thematische Idee: den Kinderschänderwahn in unserer Gesellschaft. Mich haben einige angesprochen, ob es eine romantische Beziehung zwischen Justin und Mark gibt.

Natürlich spiele ich mit dieser Wahrnehmung der Zuschauer, weil der Callboy damit in Verbindung gebracht wird. Aber eigentlich soll er das nicht. Ich will dem Zuschauer zeigen: Hey, du wertest.

Denn im Film wollen beide nur einen Freund haben. Mit dem werde ich auch im Spielfilm ein bisschen spielen. Kann man das jetzt akzeptieren, dass das eine Freundschaft ist oder sind da andere Motivationen dahinter gestellt?

Viel Erfolg bei der Suche nach einem Produzenten und danke für das Gespräch.

Das Gespräch führte Falk Steinborn

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Weitere Quellen: privat