TIMM startet zum Jahresende

Falk Steinborn Von Falk Steinborn

Nach mehr als anderthalben Jahren Verspätung soll Deutschlands erster TV-Sender für Schwule zum Jahresende auf Sendung gehen. Dank neuer Investoren ist die Finanzierung gesichert und auch das Programm steht bereits in groben Zügen fest.

(dbna.de / medien-monitor.com) Der erste deutsche Fernsehsender für Schwule "Timm" soll Ende des Jahres auf Sendung gehen. Das gaben heute die Deutschen Fernsehwerke (DFW) als Betreiber des Senders bekannt. Möglich wird diese Planung durch die Beteiligung neuer Investoren an dem Fernsehprojekt. So steigen die niedersächsische Verlagsgesellschaft Madsack und die Berliner Beteiligungsgesellschaft IBB neu ein. "Die Beteiligungen sichern die langfristige Finanzierung und den Sendestart von TIMM ", heißt es in der Mitteilung der DFW. Ein genaues Datum für den Sendestart wurde allerdings noch nicht genannt. In der Vergangenheit musste dieser des Öfteren verschoben werden. Ursprünglich sollte TIMM bereits vor mehr als einem Jahr den Sendebetrieb aufnehmen.

Die Sendestruktur steht fest

Dass die neue Planung des Sendestarts durchaus ernst zu nehmen ist, zeigt die aktuelle Entwicklungen von TIMM sowohl hinsichtlich des Personals als auch der Programmplanung. Ähnlich wie bei den schwul-lesbischen Sendern logo (USA, seit 2005) und out.tv (Kanada, 2001) ist die Programmwoche bei TIMM in verschiedene Thementage unterteilt. Angefangen vom Serienmontag über einen informationsgeladenen Mittwoch bis hin zum Partyfreitag ist alles dabei.  Außerdem soll täglich ein halbstündiges Magazin zu aktuellen Themen der schwul-lesbischen Welt gesendet werden. An Bord geholt hat sich TIMM dazu Holger Wicht, den ehemaligen Chefredakteur des schwulen Hauptstadtmagzins Siegessäule. Gerade in der aktuellen Brichterstattung sieht er für TIMM eine große Chance. "Vieles, was schwule Männer interessiert, kommt auf anderen Sendern eben nicht vor. Unsere News werden schon allein deswegen einzigartig sein", schreibt Wicht im Blog des Senders.


Zwischen Wunsch und Kritik

Mit dem Sendestart von TIMM könnte ein Traum vieler homosexueller Menschen im deutschsprachigen Raum wahr werden. Denn gegenwärtig gibt es kein nicht-fiktionales Fernsehangebot für Schwule und Lesben in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Wunsch danach ist jedoch durchaus vorhanden, wie Felicitas Morhart von der Universität St. Gallen in einer Umfrage unter 6300 schwulen Männern feststellte. Nur an der Art und Weise scheiden sich die Geister. "Die Paradiesvögel wollen eine eigenes TV-Angebot", sagt Morhart. Ihnen käme TIMM sehr gelegen. Alle anderen schwulen Typen bevorzugen schwul-lesbisches Fernsehen aber eher "integrierend als gettoisierend."

Wie genau sich der Sender entwickelt, welches Image er sich zulegt und was er bewegen kann, wird sich Ende des Jahres zeigen. Der Ansatz von Geschäftsführer Frank Lukas Horsthemke klingt aber schon einmal vielverpsrechend: "Wir wollen schwul nicht mehr erklären."

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