Typisch erstes Date

Falk Steinborn Von Falk Steinborn

Das erste Date will gut geplant sein. Was aber, wenn einem nach kurzer Zeit die Gesprächsthemen ausgehen? Anschweigen? Verabschieden? Oder knutschen? Der Kurzfilm "Verführung" zeigt die peinlichen Momente beim Rendez-Vous.

"Verführung" stammt von Nils Johan Lund. Der Norweger arbeitet als Motion Designer und hat den Film für einen Animationsfilmwettbewerb in Bergen produziert. Das Thema lautete "Verführt in einer Minute". Herausgekommen ist eine Geschichte über das erste Date. Sie ist autobiografisch und beschreibt das erste Treffen zwischen Nils und seinem Freund. Im Interview spricht er darüber, warum der Kurzfilm ein Schnellschuss war und es bis nach Brasilien geschafft hat.

Dein Film ist mit Dokumentation statt mit Animation überschrieben. Warum?
Es fühlt sich nicht richtig an, ihn als Fiktion zu bezeichnen, weil er hauptsächlich auf dem ersten Date von mir und meinem Freund beruht. Ich habe einfach in meinem Tagebuch nach einer süßen Geschichte gesucht, die irgendwie zum Wettbewerbsthema "Verführung" passte.

Nils Johan Lund

Wie lange hast du an dem Film gearbeitet?
Es war eine eilige Nummer. Die Deadline für den Wettbewerb lag in einer Zeit, als ich sehr viel zu tun hatte: große Projekte auf Arbeit und dutzende Überstunden. Ich habe das ganze Wochenende durchgearbeitet sowie eine lange, anstrengende Nacht. Alles in allem waren es wohl dreieinhalb Tage.

Was hat dir an der Filmproduktion an meisten Spaß gemacht?
Ich war fast die ganze Zeit extrem gestresst, weil die Produktion so dringend war. Leider hatte ich gar keinen Spaß dabei. An einem Punkt war ich so müde, dass ich schon abbrechen und aus dem Wettbewerb ausscheiden wollte. Aber mein Freund ließ mich nicht ins Bett, ehe ich fertig war. Also habe ich die ganze Nacht durchgearbeitet und es so schließlich geschafft.


Hast du denn bei dem Wettbewerb auch etwas gewonnen?
Nein, ich habe nichts gewonnen. Aber es gab einige Lacher und Schmunzler bei der Vorführung. Die lokale Filmszene hier in Bergen ist ziemlich hetero. Es war der einzige schwule Film im Wettbewerb und deshalb habe ich sicherlich auch ein paar Exotik-Punkte bekommen. Der Film wäre sicherlich auch viel klischeehafter rüberkommen, wenn es eine klassische Junge-trifft-Mädchen-Story gewesen wäre.
Übrigens wurde der Film später auch beim Internationalen Animationsfilmfestival über Sexuelle Vielfalt in Rio de Janeiro gezeigt. Die Organisatoren hatten den Film im Internet entdeckt und wollten ihn gern zeigen.


Der Film beruht ja auch dem ersten Date mit deinem Freund. Wie hat er reagiert, als ihn gesehen hat?
Ich war anfangs schon nervös, weil die Story auf meiner persönlichen Erinnerung beruhte. Aber der Film hat ihm wirklich gut gefallen. Er hat ihn sogar Freunden und Kollegen gezeigt. Ich glaube, er fühlte sich durch die Zeichnung seines Charakters geschmeichelt: Groß, schwarzhaarig und gutaussehend.

Danke für das Interview.

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