Vom Anfang bis zum Ende

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Vom Anfang bis zum Ende
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Das Thema ist skandalös: Die beiden Halbbrüder Francisco und Thomás haben ein inniges Verhältnis, das die Grenzen der Geschwisterliebe überschreitet. Aber ihre Verliebtheit und ihre sexuelle Beziehung stören weder die Eltern noch Freunde.

Es gibt Filme, deren Erscheinen man nicht abwarten kann: weil der Trailer, auch wenn man die Sprache nicht spricht, einem den Atem raubt; oder weil die Geschichte nach so viel Sprengkraft klingt, dass man sie lieber heute als morgen sehen will. "De Começo ao Fim" (Vom Anfang bis zum Ende) ist ein solcher Film. Im Herbst 2009 kam er in Brasilien in die Kinos. Um genau zu sein: Es waren gerade einmal neun Kinos, die ihn zeigten. Denn es geht um die Beziehung zweier Brüder, die weit über die Geschwisterliebe hinausgeht ein Skandal in Brasilien. Und dieser Skandal sieht so aus:

Schon von Geburt an passt Francisco auf seinen jüngeren Halbbruder Thomás auf. Er ist sein Beschützer gegenüber dem Vater; der große Bruder, der seinen kleinen Bruder mit Halbwissen zu beeindrucken versucht und zugleich sein bester Freund ist. Das Verhältnis von Thomás und Francisco ist innig und herzlich im Gegensatz zu ihrem Elternhaus.

"Ein Pimmel plus ein Pimmel"

Schon früh überschreitet die Beziehung der beiden die Grenze der Geschwisterliebe, die als akzeptiert gilt. Das wird dem Vater deutlich, als Thomás stolz seine Rechenkünste unter Beweis stellt: "Ein Pimmel plus ein Pimmel macht einen kleinen Pimmel und einen großen Pimmel" sagt Thomás und zeigt dabei auf seinen großen Bruder.

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Trennung auf Zeit: Thomás (rechts) muss für ein Schwimmtraining für drei Jahre nach Russland. Es ist die erste längere Trennung der beiden Brüder.

Trennung auf Zeit: Thomás (rechts) muss für ein Schwimmtraining für drei Jahre nach Russland. Es ist die erste längere Trennung der beiden Brüder.

Aber die Eltern sind von diesen Aussagen sowie den Zärtlichkeiten und Streicheleinheiten der beiden Jungs untereinander nur minimal besorgt. Auch später, als aus Francisco und Thomás zwei stattliche Männer geworden sind, ist ihre nun auch sexuelle- Beziehung kein Problem. 

Genau das ist das Problem des Films: Es fehlt der Konflikt und somit die Spannung. Weder Thomás noch Francisco sind sich in ihren Gefühlen unsicher, noch bekommen sie das Unverständnis anderer zu spüren, wenn sie offen vor den Augen des Vaters oder Schwimmtrainers flirten. Sie dürfen so sein, wie sind ohne dafür nur irgendwo Gegenwind zu spüren. Matthias Wannhoff kommt deshalb im Filmmagazin "Schnitt" zu dem Urteil: "Insofern ist From Beginning To End der wohl politisch korrekteste Skandalfilm des Jahres". Er thematisiert Inzest, ohne sie im Spiegel der Gesellschaft zu zeigen.

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Shakespeare soll's richten

Was stattdessen bleibt, ist ein Film, der schöne Bilder aneinanderreiht: Gutaussehende Männer in verführerischen Posen stellen ihre Körper im Schwimmbad, am Strand oder im Bett zur Schau. Das gegenseitige Begehren von Thomás und Francisco wird  in einigen Szenen gefühlvoll inszeniert (sowohl schauspielerisch als auch musikalisch), aber leider oft durch gestelzte Sprache (ist die deutsche Synchronfassung schuld?) gestört. Da kommt auch keine zusätzliche Tiefe hinzu, wenn Regisseur Aluzio Abranches die beiden Brüder Liebesschwüre aus Shakespeares Sonetten oder Hilda Hilsts Romanen zitieren lässt. Schade. Das Thema des Films ließ mehr erwarten.

Der Text erscheint in Zusammenarbeit mit dem Magazin "out!" des lesbischwulen Jugendnetzwerks Lambda.

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