"Wenn ich nicht kann, dann gehe ich wieder"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
"Wenn ich nicht kann, dann gehe ich wieder"
YouTube/queerblick

Er ist gerade 18 Jahre alt, seine Mutter eine Alkoholikerin und das Geld wie immer knapp. Das ist das Leben von Jan. Als Ebbe im Portemonnaie herrscht, lässt er sich nach einigem Zögern auf ein Taschengeldangebot ein.

70 Euro soll Jan für einen Blowjob bekommen. Das schreibt ihm ein älterer Mann auf einer Datingplattform. Jan, der mal wieder kaum Geld hat, lässt sich auf das Angebot ein. Seine Bedingung: "Wenn ich nicht kann, dann gehe ich wieder."

Der Film "Lonely Dietmar" zeigt einen Moment der Begegnung, den sich schon viele Jugendliche und junge Erwachsene einmal vorgestellt haben. Denn das schnelle Geld für Sex ist verlockend und an so genannten Taschengeldangeboten mangelt es auf Dating-Plattformen für Männer nicht.

Ein sehr persönlicher Film für Regisseur David Lange

Aber was macht es mit emotional mit einem? Bereits die Begegnung im Film zwischen Jan und seinem Freier Dietmar ist so intensiv befremdlich, dass der Film einen Warnhinweis trägt: "Inhalte und Bilder dieses Kurzfilmes könnten als verstörend wahrgenommen werden."

Entstanden ist der Kurzfilm im Medienprojekt queerblick. David Lange hat das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Für ihn ist es ein persönlicher Film. Denn er hat selbst bereits als Escort gearbeitet. Im Interview erzählt er über seine Erfahrungen damit und welche Botschaft er vermittelt wissen will:

David, warum hast du das Thema Taschengeldangebote gewählt?

Ich wollte gern einen Film machen, der für mich ernst ist. Und tatsächlich habe ich das Thema in dieser Situation ähnlich erlebt. Ich fand das damals so unangenehm und angespannt, dass ich das gern in einen Film bearbeiten wollte.

Wie viel steckt von deiner eigenen Story im Film?

Das Treffen selbst ist schon ziemlich autobiografisch. Aber nicht die äußeren Umstände mit der Mutter. Das habe ich hinzuerfunden, damit das Bedürfnis für den Protagonisten stärker ist, das durchzuziehen.

Im Film sind gefühlt alle Personen in der Opferrolle: Die Mutter als Alkoholikerin, der Sohn in einem ökonomisch und sozial schwachen Elternhaus, der Freier einsam und auf der Suche nach Zweisamkeit. Leiden alle?

Das Gewicht des Opfers ist im Film mehr auf dem des Jungen. Aber der ältere Mann versucht etwas mitzukriegen, was er vielleicht verpasst hat im Leben, weil er sich nicht traut in die Szene zu gehen, zu feiern und dort live Leute kennenzulernen. Indem er Geld bezahlt, macht er es sich einfach und kann daran teilhaben. Deswegen würde ich das gar nicht so dämonisieren. Das ist immer noch eine freiwillige Handlung von dem Jungen. Das Geld hätte er auch auf anderem Weg verdienen können.

Die Szenen wirken sehr intensiv. Sie gehen nahe.

Mich hat das ein wenig erschreckt, wie nah das dann am Set dran war. Ich habe den beiden Schauspielern gesagt, ich möchte, dass ihr das ein wenig improvisiert und das nicht auswendig lernt. Und dadurch ist in die Sprechakte so eine Natürlichkeit reingekommen. Mein Puls war schon ein bisschen höher, weil das sehr nah an der Realität war. Beim Schneiden hat mich dieses Gefühl immer wieder ergriffen.

Was ist deine Botschaft an die Zuschauer?

Ich würde es gern offen halten. Ich glaube, dass viele sich das gar nicht vorstellen können, wie das wirklich abläuft. Man hört vielleicht von manchen Leuten aus der Szene: Okay, die haben das schon einmal gemacht und reden da vielleicht ziemlich cool und locker drüber - so als wäre das überhaupt kein Problem. Aber ich glaube, dass das dann oft mehr Fassade ist. Um diesen Schritt zu gehen, muss eine größere Hemmschwelle überwunden werden. Zumindest ist das in meiner Erfahrung so.

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