Wenn Mutti wüsste...

Redaktion Von Redaktion

Das Coming-out, der erste Freund, peinliche Momente. Die DVD-Kollektion "Wenn Mutti wüsste..." von Edition Salzgeber sorgt beim Zuschauer für Déjà-vu-Erlebnisse und so manches Schmunzeln. dbna hat für euch mal reingeschaut.

Das Coming-out, der erste Freund, peinliche Momente. Die DVD-Kollektion "Wenn Mutti wüsste " von Edition Salzgeber sorgt beim Zuschauer fürDéjà-vu-Erlebnisse und so manches Schmunzeln. Wir stellen euch die Kurzfilme vor:

Peking Turkey

Der junge Chinese Chris stellt seinen Eltern bei einem gemeinsamen Abendessen seinen franko-kanadischen Freund Pierre vor. Deren Begeisterung hält sich aufgrund ihrem Festhalten an ihrer traditionellen Familienethik in Grenzen, besonders Chris Vater weigert sich, auf freundliche Gesten von Pierre einzugehen. Darüber hinaus leidet die Konversation am Tisch unter dem Sprachgewirr aus Chinesisch, Englisch und Französisch. Chris jüngerer Bruder hält die Szene mit einem Camcorder fest und kommentiert sie mit einem englischen "Gangsta"-Slang, den seine Mutter mangels Englischkenntnissen über die letzten Jahre von ihrem Sohn übernahm. Während des Abendessens kommentiert der Vater Pierres Aussagen stets mit chinesischen Bosheiten, die für den unwissenden Kanadier völlig gegensätzlich übersetzt werden. In väterlicher Sorge wird Pierre anschließend auch noch ins Kreuzverhör durch den Vater genommen und über familiäre und berufliche Verhältnisse ausgefragt. Mit einem beherzten "Stop that sh*t" geht letztendlich die erboste Mutter dazwischen. Eine verfahrene Situation zwischen westlicher Moderne und asiatischer Tradition. Kann das glücklich enden? Ein amüsantes Werk aus Kanada, das liebevoll kulturelle Unterschiede aufs Korn nimmt.

Herzhaft

Ein deutscher Kurzfilm und zugleich eine Abschlussarbeit der Ludwigsburger Filmakademie Baden-Württemberg. Inhaltlich erkennt man in der Handlung fast einen Klassiker: Der 15-jährige Fußballspieler Felix verliebt sich in seinen 19 Jahre älteren Trainer Ralph, aufgrund der rechtlich brisanten Lage halten die beiden ihre Beziehung natürlich bedeckt. Das Zusammenleben und die gemeinsamen Liebesspiele beschränken sich dementsprechend auf ein Autowrack in einem abgelegenen Waldstück und auf Ralphs Wohnung. Eines Tages findet Ralph nach dem Training eine Nachricht auf seinem Schreibtisch, sie scheint einmal mehr eine Einladung von Felix für ein Treffen an dem geheimen Ort im Wald zu sein. Wider Erwarten findet Ralph aber dort Felix Mutter vor, die ihn mit seinem illegalen Handeln konfrontiert. Bei seinem nächsten Besuch wird Felix nun abserviert, zwischen den Dreien bahnt sich ein großer Konflikt an. Schließlich muss Ralph vor der Polizei fliehen. An diesem Film reizt in erster Linie der Handlungsort: Gute schwule Kurzfilme aus Deutschland sind bislang ja eher rar gesät.

HitchCocked

Von skurrilen Rollenspielen für mehr Spaß beim Sex hat ja sicherlich jeder Mann (und jede Frau!) schon mal gehört. In diesem kurzen Streifen aus den USA wird allerdings ein besonders herausragender Fall behandelt: Zunächst bekommt der Zuschauer eine normale Begrüßungsszene eines Internet-Dates an der Haustür präsentiert. Nach einigen typischen Phrasen ("In Echt siehst du ja noch viel besser aus als auf den Bildern im Web") und anschmachtenden Gesten des Gastgebers ("Ich finde dich sehr heiß") geht es auch schon zur Sache. Für Al, den Besucher, ist es nach eigenen Angaben das allererste Mal, der Erfahrene Fred führt ihn in die Dusche. Aufgrund seiner Unsicherheit möchte Al die Duschkabine vorzeitig verlassen, doch Fred versperrt ihm den Weg ("Es gibt kein Entkommen..."). Der Film erfährt eine große Wendung: Fred erscheint plötzlich als paranoider Irrer, der sein Opfer als Spielball für seine Phantasien nutzt, am Ende hält er gar ein Messer an Als Hals. Doch plötzlich klopft Freds Mutter an die Badezimmertür. HitchCocked hat mit seiner amüsanten Wendung am Ende viele Lacher auf seiner Seite.

Die Folge

In nur sechs Minuten erzählt der spanische Beitrag von einer erbosten Mutter, die pünktlich zum Feierabend den Direktor vor seinem Geschäftsgebäude abpasst. Sie konfrontiert ihn mit seiner angeblichen, unterdrückten Homosexualität, er wiegelt vehement ab, spricht in diesem Zusammenhang von krankhaften Irrungen. Die Dame lässt nicht von ihm ab, appeliert an ihn, sich zu seiner eigenen Neigung zu bekennen. Wutentbrannt möchte er genervt die Flucht ergreifen, als die Mutter mit ihrer wahren Intention dieser seltsamen Aktion herausrückt. Sie fragt ihn: "Warum haben sie meinen schwulen Sohn gefeuert?" Das kurze Werk besticht durch seine Intensität.

Kali Ma

Der Schüler Santosh wird regelmäßig von seinen Mitschülern gequält, eines Tages wird er sogar von seinem Mitschüler Peter in der Umkleidekabine mit einem Filzstift attackiert, schwulenfeindliche Sprüche ziehen sich jetzt über seinen Oberkörper. Nach der Schule wundert sich seine Mutter über das seltsame Verhalten ihres heimkehrenden Sohnes, der sich prompt in sein abgedunkeltes Zimmer verzieht. Die Mutter zieht ihn aus seinem Versteck hervor, sieht prompt die "Verzierungen" auf dem Körper ihres Sohnes und macht sich prompt auf den Weg zu Peters Haus und verschafft sich gewaltsam Zutritt. Während sich Peter den Strapazen einer amoklaufenden indischen Mutter hingeben muss, taucht prompt Santosh auf und kann Peter vor dem Ertrinken im Swimmingpool des Gartens retten. Santosh wirkt beruhigend auf die beiden ein, die beiden atmen erstmal durch. Kaum von den Strapazen erholt, besteht die Mutter auf einem Nachholen des nun lang verspäteten Mittagessens. Ob es Santosh und Peter wohl näher zusammenbringt? Das Thema "Mobbing" wird in diesem amerikanischen Film wahrhaft amüsant behandelt, das hebt ihn von thematisch ähnlichen Kurzfilmen ab.

Mamas kleiner Ole

Gunn, eine alleinerziehende Mutter, wohnt mit ihrem Sohn Ole in einer ruhigen Wohnsiedlung und muss sich mit den Strapazen seiner Pubertät herumschlagen. Einige Gegenstände in seinem Zimmer geben ihr allerdings Rätsel auf, zum Beispiel die Handschellen auf Oles Nachttisch. Weiterhin rätselt sie, warum ihr Sohnemann ausschließlich männliche Gäste begrüßt. Eines Mittags hört sie ein scheinbar eindeutiges Stöhnen aus dem Reich des Sohnemanns. Sie rennt prompt hinüber zum Haus ihrer Nachbarin, deren Sohn Dauergast von Ole ist. Da bekommt Gunn eine Zeitung vor die Nase gehalten, die ein aktuell heiß diskutiertes Thema der norwegischen Presse bereithält: "Sind Kinder von alleinerziehenden Müttern tendenziell eher schwul?" Entsetzt stürmen die beiden Mütter zurück in Glenns Haus und brechen entgeistert die Tür zu Oles Zimmer auf. Was sie dort vorfinden? Das sei an dieser Stelle nicht verraten, doch von diesem lustigen Ende wird so mancher vom Stuhl fallen.

Trevor

Wir begeben uns auf eine Zeitreise in die Vereinigten Staaten der späten siebziger Jahre: Der junge Trevor ist eigentlich ein ganz normaler Junge, seine Aufmerksamkeit gilt seinen Freunden, dem Kino und seiner Plattensammlung. Seinen allgegenwärtigen Traum einer Bühnenkarriere lässt er nicht aus dem Blick und ahmt am heimischen Spiegel der Popsängerin Diana Ross nach. Nebenbei hält er seine alltäglichen Erlebnisse in seinem Tagebuch fest. Mit der Zeit bahnt sich allerdings ein neuer Lebensabschnitt mit allerlei Querelen an: Trevor kommt in die Pupertät und beginnt allmählich zu verstehen, warum alle anderen hinter dem Rücken über seine Vorliebe zu Ballett und Theater lästern. Als sein bester Freund Pinky ihn wegen seines Schwulseins fallen lässt und seine Eltern sowie ein Priester ihn als "pervers" deklarieren, fasst Trevor einen Entschluss - seine nahende Beerdigung probt er bereits in seinem Bett. Doch dank einer segensreichen Wendung lässt er schließlich von seinem Plan ab. Den Film zeichnet seine spezielle Erzählweise aus - ständig hört man Trevor im Off aus seinem Tagebuch lesen, dessen Einträge beziehen sich stets auf die aktuelle Szene. Der Film erhielt 1995 einen Oscar.

Sieben Kurzfilme aus Europa und Amerika. Was sie vereint? Sie zeigen in erster Linie das breite Feld an Problemen junger und älterer schwuler Männer. Und manchmal bahnen sich auch ungeahnte Lösungen an.

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Weitere Quellen: Edition Salzgeber