Wenn Schwule Mädchen lieben

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Wenn Schwule Mädchen lieben
Summerstorm Entertainment GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH

Der schwule Star-Friseur Tom Herzner muss, um Frauen besser kennenzulernen, in einem Hinterhof-Salon arbeiten. Dort warten nicht nur Berlin Neukölln-Klischees, sondern auch eine Frau, die ihn nicht mehr loslässt. "Coming In" ist eine überdrehte Komödie, die viele Lacher zu bieten hat.

Die Story des Films von Regisseur Marco Kreuzpaintner ist recht schnell erklärt: Tom Herzner, wunderbar sympathisch und mitfühlend gespielt von Kostja Ullmann, ist der Star-Friseur Berlins und gleichzeitig eine schwule Ikone. Außerdem betritt er ein neues Geschäftsfeld: Er hat sein eigenes Männer-Shampoo kreiert.

Seine Geschäftspartner kommen auf die irre Idee, Tom für einen Pressetermin nach Neukölln zu schicken. Dort wartet die chaotische Heidi im Salon "Bel Hair". Aylin Tezel gibt ihrer Rolle eine wundervoll leichte und beschwingte Art mit, stattet sie mit der nötigen Naivität aus, kann aber trotzdem ihre Meinung sagen. Kaum kommt der Figaro an, geht so ziemlich alles schief, was nur schiefgehen kann. Am Ende küsst Heidi Tom auch noch natürlich hat ein Fotograf der Regenbogenpresse das nicht verpasst.



Ganz anders als Tom, der sich maßlos darüber aufregt, finden seine Kollegen den Termin überaus geglückt. Sie wollen jetzt, auch noch eine Frauen-Edition des Shampoos herausbringen. Weil der Star-Friseur Tom sich allerdings nur mit Männern auskennt, wird er zu einer Woche Arbeit im "Bel Hair" verdonnert.

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Die romantische Krönung im Fotoautomaten


Dort warten Neukölln-Klischees auf ihn, die er sich nicht in seinen kühnsten Träumen hätte vorstellen können. Anfangs kommt es zu Reibereien zwischen Heidi und Tom, doch wie sollte es anders sein die beiden verstehen sich immer besser. Der Höhepunkt ist ein gemeinsamer Abend inklusive Fotos im Fotoautomaten und Heidis regennassen Haaren laut Tom das, was er ihm an Frauen am meisten gefällt.



Die beiden verlieben sich ineinander. Bis es aber so weit kommen kann, ist der Film voll von lustigen Momenten, lauten Lachern und rührseligen Passagen. Dass Tom sich umorientiert und das Ufer wechselt, gefällt vor allem seinen schwulen Freunden überhaupt nicht. Irgendwann aber begreifen sie, dass sie doch genau dafür immer eingetreten sind: Jeder soll so leben, wie er es für richtig hält.



Klischees über Klischees


Und das ist, neben den vielen oberflächlichen Klischees, mit denen der Film gekonnt spielt und sie auf den Arm nimmt, die eigentliche Aussage: Wir stecken uns zwar in Schubladen, können ihnen aber immer wieder entkommen, auch wenn es schwer ist. Solange wir uns selbst treu bleiben und tun, was uns glücklich macht, ist es der richtige Weg.

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Diese Aussage wird gepaart mit der Idee, dass gar nicht das Geschlecht entscheidend für Gefühle ist, sondern die Person und der Charakter dahinter. Natürlich steht dieser tiefgründige Gedanke nie im Vordergrund der romantischen Komödie, schwelt aber trotzdem immer mit. Hauptsächlich zeigt der Film Klischees über Klischees: Über schwule Friseure, ihre schwulen Freunde Fußballfans oder Berlin-Neukölln. Ja, oft werden diese Stereotype überzeichnet. Trotzdem wirken sie an keiner Stelle lächerlich oder führen zum Fremdschämen. 



Perfekt für einen kurzweiligen Kinoabend


Wer zu hohe Ansprüche an eine ausgeklügelte Story hat, die in sich komplett stimmig ist, der wird mit "Coming In" nicht glücklich. Die Handlung wirft Fragen auf und wirkt an manchen Stellen schlichtweg unlogisch: Warum der Pressetermin in Neukölln? Warum dann der Aushilfsjob ausgerechnet dort? Wer darüber hinwegsehen kann, der sieht eine solide deutsche Komödie, bei der man zwar relativ bald weiß, wie sie ausgeht. Das macht den Film aber nicht weniger amüsant und liebenswert und damit perfekt für einen kurzweiligen Filmabend.

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Weitere Quellen: Summerstorm Entertainment GmbH / Warner Bros. Entertainment GmbH