Das Lieblingsshirt

Redaktion Von Redaktion

Es ist Samstag Abend. Die heutige Nacht wird umwerfend werden. Alle werden kommen, und du wirst der schönste Mensch in der ganzen Disco sein. Wenn doch bloß dein Lieblingsshirt nicht ausgerechnet heute in der Wäsche wäre!!! In unserer Serie "Stereotratsch" nehmen wir regelmäßig schwule Klischees aufs Korn. Heute: das Lieblingsshirt...

In unserer neuen Serie "Stereotratsch" nehmen wir regelmäßig schwule Klischees aufs Korn. Heute: das Lieblingsshirt...

Es ist Samstag Abend. Du bist verabredet. Die heutige Nacht wird umwerfend werden. Alle werden kommen, und du wirst der schönste Mensch in der ganzen Disco sein. Um das zu schaffen, bist du seit Stunden im Bad, pedikürst, manikürst, deodorierst, parfümierst und frisierst dich. Allerdings musst du jetzt feststellen, dass dein Lieblingsshirt, das das i-Tüpfelchen für deine gottgleiche Erscheinung sein soll, nicht zu finden ist: Es ist noch in der Wäsche.

Was tun in dieser Situation? Panikanfälle ruinieren dein Make-Up, hysterisches Schreien treibt unnötige Transpiration voran. Oben ohne gehen? Das kommt auch nicht in Frage, schließlich ist das Brustwarzenpiercing frisch gestrochen, und wenn du's herzeigst, werden es dir alle Männer im Raum vom Leib lutschen wollen.
Als ersten Schritt raten wir: Ruhe bewahren. Dann: In die Waschküche gehen und das Shirt holen. Falls es gerade in der Waschmaschine ist, stoppe sie. Wenn du - Tunten und Technik - nicht weißt, wie, hilft ein beherztes Ziehen am Stromkabel und ein kräftiger Schlag mit einem harten Gegenstand gegen die Glasscheibe.

Auch wenn du dich nicht mehr erinnern kannst: Es muss einen Grund gegeben haben, wieso du das T-Shirt in die Wäsche getan hast. Deshalb solltest du's jetzt auch waschen. Per Hand. Warmes Wasser in die Wanne einlassen, und es kräftig durchwalgen, auswringen, und durchklopfen. Im Übrigen ist Handwäsche für all die Pailletten und Strasssteine eh besser.
Jetzt hast du also ein nasses T-Shirt, das du innerhalb weniger Minuten trocken bekommen solltest. Erstmal: auswringen. Dann: In ein Handtuch wickeln. Oder doch mal wieder Mutters gute Salatschleuder auspacken. Dann ist aus dem nassen T-Shirt ein feuchtes T-Shirt geworden. Jetzt: fönen. Pass auf, dass du es nicht versengst. Natürlich könntest du es auch trockenbügeln. Eigentlich ist alles gut, was Wärme produziert - aber bitte nicht in die Mikrowelle damit!

Wenn du so weit gekommen bist, ohne allen Glitzer abzuschmirgeln und ohne die Farbe auszuwaschen oder die Stretch-Fasern zu schmelzen, darfst du dich als geprüfte Hausfrau fühlen. Aber - ob es das wert war? Die aufgescheuerten Hände, das zerzauste Haar, und am Ende noch der Wasserfleck in deiner Jeans? Natürlich kommst du auch noch zu spät zur Party - an sich eine Tugend - aber heute doch hoffentlich nicht erst rechtzeitig zur Rausschmissmusik?
Und falls du die ganze Prozedur in wenigen Minuten geschafft hast: Wirst du mit dem Gefühl leben können, dass deine wahre Bestimmung mehr in der Hausarbeit denn im Tanzen zu liegen scheint? Eine richtige Diva kann weder putzen noch kochen und auch nicht waschen! Wäre es nicht am einfachsten gewesen, einfach ein anderes deiner siebenundzwanzig Lieblingsshirts anzuziehen...?

dbna.newsletter
Bleibe immer up-to-date.
Abonniere unseren wöchentlichen Newsletter!
Weitere Quellen: Bilder: photocase.com