Der Kulturkampf um die Hose

Redaktion Von Redaktion

In Europa hat sich die Hose als männliches Attribut durchgesetzt. Sie wurde zum Symbol der Revolution und Emanzipation, es ist eine bizarre Geschichte um Protest, Freiheit und Gleichberechtigung – und das alles nur wegen einem Stück Stoff.

Ein Restaurant in der Altstadt, die Tische besetzt, die Beine baumeln in der Hitze des Vorsommers, sie sind behost, bei allen Männern, und teilweise bei den Frauen. Der Herr trägt Jeans und die Frau ihre Stoffhose oder den wallenden Rock. Scheinbar geht der tägliche Griff zum Bedecken des Unterkörpers beim Mann fast immer zur Hose und davon wiederum zur Jeans, dabei könnte er auch Stoff tragen, könnte seine Unterschenkel zeigen, er tut es nicht. Das ist der Eindruck.

Tatsächlich hat sich die Hose im europäischen Kulturkreis als männliches Attribut durchgesetzt, gegen den Männerrock und die Tunika. Sie wurde zum Symbol der Revolution und der Emanzipation, es ist eine bizarre Geschichte um Protest, Freiheit und Gleichberechtigung, ein spannendes Stück Kulturgeschichte und das alles nur wegen einem Stück Stoff.
Im heutigen Verständnis ist Kleidung geschlechtsspezifisch, die Frauen tragen eben Röcke und hin und wieder Hosen, sie tragen Blusen und sie tragen BHs, ein Mann trägt T-Shirt und Jeans, Slip und Boxershorts, alle anderen Kombinationen wirken erst einmal als auffällig, vielleicht auch unnormal. Ein Mann, der einen Rock trägt und eine Bluse? Da schaut man hinterher.

Hose oder Männerrock?

In der Kleidertradition gilt die Hose als Symbol männlicher Macht und Kompetenz, in den Karikaturen gilt eine heruntergelassene Hose als Verlust dieser Attribute, es ist eine Schmach, wenn man so dargestellt wird. Sie ist eine Erfindung zentralasiatischer Reitervölker, sie wurde dann weitergetragen, Perser, Chinesen, Kelten, nur die Griechen und die Römer verwehrten sich dem, sie trugen weiter ihre Togae. Die Hose galt als barbarisch und die Gallier wurden "Gallia bracata" genannt, behoste Gallier. Tatsächlich war die Hose ein Erkennungszeichen der Germanen, doch bald schon übernahm man die römische Tunikatradition.

Im Mittelalter dann trug man als Würdenträger, der nicht arbeiten musste, lange Gewänder und Roben, es war ein Zeichen von Rang und Einkommen, die Hosenträger dagegen galten als arm. Die Hose war ein Arbeitsgewand. Mann und Frau trugen aber vor allem sackartige Kleidung, sie unterschieden sich im Schnitt nicht, vielleicht war das Kleid des Mannes kürzer geschnitten, man weiss das nicht so genau. Erst im 14. Jahrhundert kam eine geschlechtsspezifische Kleidung auf, es begann die Blütezeit des Rittertums, in denen die Männer in schweren Rüstungen verschwanden und die Frauen ihre Kleider hatten, deren Oberteil aber noch verstärkt war und dem Brustpanzer des Mannes glich. Im Kloster durften Männer nur auf Reisen Hosen tragen, nach heutigem Verständnis waren das aber eher Unterhosen, und im Kloster selbst waren Hosen verboten. Sie galten als Verweichlichung und Teil des weltlichen Luxus, dagegen standen hygienische Bedenken.

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Weitere Quellen: Bilder: istockphoto