Eine Woche ohne Handy?

Redaktion Von Redaktion

Was wohl passiert, wenn man einem dauergestressten dbna-Autor eineWoche lang sein heißgeliebtes Handy wegnimmt? Warum diese spaßige Idee schon sehr bald gar nicht mehr solustig war? Weiterlesen!

Liebes Tagebuch,

heute hatte unser Redaktionsleiter eine spannende Idee: "Ein dbna-Autorverzichtet eine Woche lang auf sein Handy und berichtet von seinenErfahrungen. Wie sehr sind wir auf diese Alltagstechnik schonangewiesen? Das wird ne super Story, Jungs!". Ich finde das Experimentja interessant, aber wer ist denn bitte so doof und meldet sich für soetwas?

Nachtrag: Ich habe mich für den Artikel eingetragen. Irgendwiedurchschleicht mich das mulmige Gefühl einen Fehler begangen zu haben,denn mein Handy nutze ich nicht nur zum mobilen Telefonieren. Ich habeeinen Xda Mini, eine Kombination aus Handy und PDA. Mein Handy ist alsounter anderem mein Terminplaner, mein Adressbuch, Notizblock, Kalender,mein Wecker, MP3-Player und auch meine Uhr. Und doch reizt mich dieIdee. Es ist noch gar nicht allzu lange her, gut zwei Jahre, da war ichmir bombenfest sicher: Ich brauche kein Handy! Und heute? Es vergehtkein Tag, an dem ich unterwegs nicht einige Male irgendwo anrufe undich verschicke im Schnitt etwa fünf bis sechs SMS-Nachrichten pro Tag.

Donnerstag

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen mit dem Experiment noch ein wenigzu warten, aber als ich mittags im Bus sitze um einen Freund von mir ineinem Café zu treffen, entscheide ich mich spontan genau jetzt denVersuch zu starten. Schnell noch eine SMS an die Leute die mich amhäufigsten anrufen getippt - man möge mich doch bitte die nächste Wocheüber nur noch über eine Festnetznummer anrufen und sich eventuelle SMSsparen, da ich per Handy erstmal nicht mehr erreichbar bin - und ausdie Maus.

Während ich mit meinem Kumpel im Café sitze und ihm von der Ideeerzähle, findet er sie lustig und reißt mir irgendwann das Handy ausder Hand. Das hatte ich nämlich mehr oder weniger gedankenlos auf denTisch gelegt und immer wieder mit den Fingern umspielt. Sein besorgterBlick vermittelt mir irgendwie das Gefühl, er hielte mich für Gollumaus "Der Herr der Ringe": "Mein Eigen, mein Schaaaaaaaaaatz."
Da ich am Abend noch in die Uni muss, machen wir uns irgendwanngemeinsam auf den Weg zum Bahnhof. Aber wann zum Kuckuck fährtüberhaupt die Bahn? Jetzt ist normalerweise der Zeitpunkt erreicht, andem ich, WAP-Flatrate sei dank, mein Handy zücke und auf wap.bahn.denach der Verbindung sehe. Pustekuchen, dann muss es eben so gehen.Problem: Ich verschätze mich. Folge: Die Ankunftszeit meinerseits imBahnhof liegt knapp nach der Abfahrtszeit der Bahn. Glück: Die Bahn hatVerspätung


Ich finde das alles schon nervenaufreibend genug, habe zu demZeitpunkt aber noch keine Ahnung was später noch passieren sollte. Dennals ich von der Uni nach Hause komme, erwartet mich im Internet einpanischer Freundeskreis. "Was ist denn los mit dir?", "Wieso geht deinHandy nicht?", "Ich habe dir ne SMS geschrieben und du hast nichtgeantwortet!". Meine Güte, einer hat sogar recherchiert was das füreine seltsame Festnetznummer in der SMS ist ich könnte ja wegenirgendeines Problems bei jemand anderem untergetaucht sein. Ich bin mirnicht sicher ob ich darüber schmunzeln oder ein schlechtes Gewissenhaben soll. Die Antwort auf diese Frage erübrigt sich aber bald, dennkurz darauf ruft mein Freund auf dem Festnetz an und kreischthysterisch in den Hörer was das denn alles solle, warum ich mein Handyausgeschaltet hätte, ob er etwas falsch gemacht hätte und dass er dasunmöglich finden würde ihn so einfach im Regen stehen zu lassen.Irgendwie fühle ich mich gerade nicht so gut.

Freitag

Bevor ich morgens zur Uni aufbreche, suche ich im Schranknach meinem alten MP3-Player und meiner Armbanduhr. Der Player: Nichtauffindbar. Die Uhr: Batterie leer. Wenn ich nicht alle paar Minuten auf dieUhr sehen kann, kommt in mir in aller Regel das panische Gefühl auf,die Welt könnte jeden Moment untergehen. Aber nun gut, die Uni überlebeich trotzdem irgendwie, indem ich meine genervten Sitznachbarn allepaar Minuten nach der Uhrzeit frage. Zum Glück sind das fastausschließlich Frauen, die antworten wenigstens auch nach dem zehntenNachfragen noch freundlich.

Am Nachmittag möchte ich eine Freundin in Herdecke besuchen und setzemich in den Regionalexpress. Da ich im Anschluss daran zu meinem Freundnach Göttingen weiterfahren will, schleppe ich eine riesige Reisetaschemit mir rum und würde meiner Freundin gerne nahe legen statt zu Fußdoch lieber mit dem Auto zum Bahnhof zu kommen. Ha, denkste! Aber wenndas nur mein einziges Problem gewesen wäre. Der Anschlusszug von HagenRichtung Herdecke fällt nämlich aus. Das weiß zwar ich, aber was istmit meiner Freundin? Die steht in diesem Moment am anderen Bahnhof undwartet auf mich. Schnell renne ich in die Bahnhofshalle und suche nacheinem Münzfernsprecher. Bald ist einer gesichtet und nach zehnMinuten Anstehen werfe ich mein BAföG-Guthaben in den Schlitz. Es pieptein Mal, es piept zwei Mal, zehn Mal, zwanzig Mal, doch niemand geht anden Hörer. Die grimmige Menschenmasse hinter mir gibt zu erkennen, dasssie es alle ganz furchtbar eilig haben und scheucht mich vom Hörer weg.Pling - die Münzen kommen wieder aus dem Apparat heraus und ichinvestiere sie umgehend in eine Schachtel Zigaretten um meine Nerven zuberuhigen.

Samstag & Sonntag

Ich liege in den Armen meines Freundes und das Handy ist mir endlich egal. Total egal.

Montag

So langsam gewöhne ich mich an den Gedanken nicht mehr permanent nachdem kleinen Gerät greifen zu können. Zwar würde ich auf der Zugfahrtzurück nach Hause gerne ein wenig Musik hören, aber die Zeit lässt sichauch mit einer Zeitschrift ganz gut totschlagen.

Dienstag

Keine nennenswerten Vorkommnisse. Ich verspüre in der Uni zwar denunbändigen Drang meinem Freund eine MMS zu schicken, aber so spare ichwenigstens etwas Geld. Auch würde ich während einer Vorlesung ganzgerne auf mein Handywörterbuch zurückgreifen. Das einzige was aberwirklich ein Problem für mich darstellt, ist die Tatsache, dass ich inmeinen 3 ½ Freistunden nicht wie gewohnt ein paar Folgen DesperateHousewives auf dem PDA ansehen kann. Ein Dienstag ohne Bree, Gabrielle,ohne Susan und vor allem ohne John unvorstellbar, aber ich habe esüberstanden!

Mittwoch

Yes! Ich liege mit einer Erkältung im Bett. Keine Uni, keine Versuchungdas Handy aus der Tasche zu ziehen. Es gibt einen Gott! Auch wenn dersich vielleicht eine schönere Art und Weise hätte ausdenken können

Donnerstag

Punkt 13:30 Uhr darf ich das Handy wieder seiner erbärmlichenPassivität entrauben. Nur habe ich mich inzwischen so sehr darangewöhnt, dass ich es tatsächlich vergesse und erst am Abend wiederanschmeiße. Ein Schwall an SMS-Nachrichten überflutet mich und ich binheilfroh nicht mehr das Gefühl haben zu müssen, dass ich irgendetwasWichtiges verpasse...

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