Ein zweischneidiges Schwert

Redaktion Von Redaktion

Das Coming-Out ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite haben wir unsere Gedanken und sehr viele Bedenken, die uns das Leben nicht gerade einfach machen, doch irgendwann wollen wir diesen Schritt einschlagen und stoßen es quasi voran.

Vincent, 23:

Die Reaktion der Leute könnte nicht unterschiedlicher sein. Hier können wir auf Zusprüche und Akzeptanz stoßen oder auf das völlige Gegenteil. Doch die Frage die man sich stellen muss, ist das wie und das wann und wem? Ich habe einige Couming-Out-Geschichten gelesen und muss gestehen, dass es jeder Aufruft es auch zu tun, so sehe ich das auch, doch muss ich jedem auf die Nase binden, dass ich Schwul, Bi oder was auch immer bin?

Meine Geschichte beginnt mit 15/16/17 Jahren, ich nenne es mal die Testphase. Ich hatte damals (Ende 15, Anfang 16 Jahre) eine Freundin gehabt und mich mit dieser auch sehr gut verstanden und wir waren auch recht lange zusammen (fasst 1,5 Jahre) doch wie so manche junge Beziehung hat diese auch ein Ende gefunden. Kurz nach dem Beziehungsaus lernte ich einen Jungen im Internet kennen. Sein Name war Kai, er war in meinem Alter (16 Jahre) und wir haben uns sehr gut miteinander verstanden. Erst schrieben wir nur sporadisch und dann immer öfter bis hin zu täglich. Später telefonierten wir auch täglich, wobei da auch häufig seine Beste Freundin mit am Telefon und somit eine kleine Konferenz hatten.Beide waren Bi. Wir hätten uns auch gern getroffen, jedoch war das nicht so einfach, da ich in der Nähe von Hamburg und die beiden in München wohnen und wie so manches hatte unsere Intermezzo vorher ein Ende gefunden.

Doch bei jedem Telefonat und Chat mit Kai hatte ich dieses Kribbeln im Bauch und ich habe mich in seinen Charakter völlig verschaut. Ich will nicht verliebt sagen, weil nur dieses kribbeln da war und wir uns auch nie gesehen haben. So begannen die Gedanken sich zu drehen. War ich Schwul? Doch ich hatte mich auch schon in mehrere Mädchen/Frauen verschaut und die Beziehungen waren auch nie langweilig. Ich fing an und schaute ob da wirklich was dran war und verliebte mich fortan in einen Jungen oder einen Mädchen und konnte akzeptieren, dass ich dementsprechend wohl Bi war. Doch wie würde es sexuell sein? Könnte ich mit einem Mann oder wäre das nichts für mich?

Diese Frage auf den Grund gehend, geschah es, dass ich einen süßen Jungen in einem Irish Pub auf dem Hamburger Kietz traf. Ich war relativ Schüchtern und traute mich nicht ihn anzusprechen. Aber er hat es getan, er kam auf mich zu und wir kamen ins Gespräch, wir Unterhielten uns die ganze Zeit und bekamen von dem Drumherum kaum etwas mit. Irgendwann wollten wir gehen und ich ging noch mit zu ihm, weil er in der Nähe wohnte und meine Bahn erst in 3-4 Stunden wieder gefahren wäre. Viele glauben jetzt eventuell, dass da auch gleich was lief, doch die muss ich enttäuschen. Wir waren bei ihm und Unterhielten und irgendwann musste ich los, da bekam ich meinen ersten Kuss von dem süßen Jungen aus der Bar. Wie so oft, sollte es nicht bei einem Kuss bleiben, wir trafen uns erneut und immer öfter und schließlich kam es auch irgendwann zu einem Intimeren Verhältnis und schließlich hatte ich meine erste Beziehung mit einem Jungen/Mann. Doch jetzt stellte sich die Frage: "Wie teile ich das mit?".

Meiner besten Freundin hab ich es sofort erzählt als ich es wusste, da wir beide fasst alles miteinander teilen, hatte sie auch überhaupt keine Probleme, hätte es jedoch nicht gedacht. Ich traf hier auf keine Negativen Kommentare. Die größte Hörde wäre mein Familie, so dachte ich und mir wollte nicht in den Kopf, wie ich es am Besten sagen würde. Meiner Mam erzählte ich, ich hätte da jemanden kennengelernt und mich verliebt und so wie es ausschaut bin ich wohl bi, weil ich mich in einen Jungen verliebt habe und eine Beziehung mit diesem eingehen möchte.

Meine Mam und ich verstehen uns von je her sehr gut miteinander und sie hatte überhaupt kein Problem, sie sagte nur eines: "Solange du Glücklich bist, bin ich es auch". Es ist super gelaufen. Da meine Eltern getrennt sind und mein Dad außerhalb wohnt und dort eine neue Freundin hat, rief ich an und sagte ich komme dann vorbei und bringe jemanden mit. Dort angekommen sagte ich ihnen gleich, dass ist mein Freund. Mein Dad brauchte einen Moment, um diesen "Schock" erst einmal zu verdauen und hat es sehr gut aufgenommen dann.

Seine Freundin hatte damit ebenfalls kein Problem und am selben Abend kochten wir gemeinsam zu viert Abendessen und spielten Phase 10. Nach einiger Zeit kam mein Geburtstag und da kamen meine drei Tanten mit meiner Cousine und meinem Cousin, sowie meine Großeltern. Wir saßen alle am Tisch und wollten zu Mittag essen als ich nur meinte: "Das ist übrigens mein Freund, wenn es keine weiteren Fragen gibt wünsche ich einen Guten Hunger". Alle fanden es in Ordnung und so hatte ich mich auch hier geoutet. In der Schule hatte ich mich - außer bei meiner besten Freundin - nicht geoutet, weil wir dort über so was nie sprachen. Ich gab mich auch immer so, wie ich bin und verstellte mich nicht. Außerdem dachte ich, dass ich mit den meisten eh nur in der Schule zu tun habe und sonst nichts, weil mein Freundeskreis sich anders erstreckte, müssen die das nicht wissen. Meine Freunde waren alle eingeweiht, die Mitschüler jedoch nicht.

Heute arbeite ich und bin ausgelernt und jeder weiß es und akzeptiert es, sogar an meinem derzeitigen Arbeitsplatz und ich musste mich nie mit irgendwelchen negativen Sachen auseinander setzen. Es klingt quasi wie im Traum oder wie eine Fabel die so erzählt werden kann, doch so ist es passiert. Das Wort zum Schluss: ich bin und bleibe Bi, da für mich der Charakter mehr zählt als das Geschlecht. Ich bin mit mir im reinen und völlig ausgeglichen. Folgendes gebe ich auch mit auf den Weg (solltet ihr es bis hierhin geschafft haben) "Sei du selbst!", es ist egal auf was du stehst, Hauptsache du bleibst du und verstellst dich nicht!

Coming-out

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