Alles für den Körperkult

Redaktion Von Redaktion
Alles für den Körperkult
warrengoldswain - csakisti / 123RF Stock Foto (Symbolfoto)

Der Schönheitswahn nimmt zuweilen bizarre Züge an. Jugendliche verschreiben sich den Körperidealen und wollen das gewünschte Aussehen um jeden Preis erreichen. Dabei sind auch Dopingmittel längst im Freizeitbereich angekommen, denn Anabolika und Testosteron versprechen schnelle Muskeln und den gestählten Körper, den gerade Jungs sich wünschen. Unproblematisch ist das keineswegs.

Dass Dopingskandale in gewissen Sportarten immer wieder für Aufsehen sorgen, gehört inzwischen zur regulären Sportberichterstattung. Der Radsport konnte sich nie von seinen gespritzten Champions lösen und auch das Boydbuilding musste immer wieder mit Skandalen rund um den Missbrauch von Anabolika, Steroiden und Testosteron kämpfen.

Längst ist das Doping dabei nicht mehr nur dem Leistungssport vorbehalten, im Gegenteil. Wird im Leistungssport regelmäßig kontrolliert, so gibt es keine Kontrollen für Hobbysportler - die leistungsfördernde Wirkung der Mittel erfüllt dennoch das Ziel.

Insbesondere dann, wenn das Ziel kein sportliches ist, sondern lediglich der durchtrainierte Körper, nach dem man sich schon so lange sehnt. Hier sollen nun Kälbermasthormone wie Clenbuterol oder Testosteron helfen, um dem gewünschten Ziel möglichst schnell nahe zu kommen.

Die Hemmschwelle sinkt

Auch die Zutaten für muskelsteigernde Mittel werden immer häufiger importiert und dann in der heimischen Küche gemischt. Labors in Indien oder China liefern dabei günstigen Nachschub. Aber der Handel und Besitz der Mittelchen ist kein Kavaliersdelikt - die Präparate sind nicht nur im freien Handel verboten, sondern werden strafrechtlich wie Drogen behandelt. Den Umgang mit Anabolika regelt in Deutschland das Arzneimittelgesetz. Aber Händler und Konsumenten gleichermaßen können die Mittel in vielen Nicht-EU-Ländern rezeptfrei aus der Apotheke besorgen, auch der Handel im Internet boomt.

Bedenklich an den steigenden Zahlen von Dopingmitteln ist insbesondere die Bereitschaft von Jugendlichen, zur Hilfe aus dem Fläschchen zu greifen. Dies gilt gleichermaßen für harmlose und oft eher placebohafte Nahrungsergänzungsmittel und verbotene Aufbauhilfen. Bei einer Befragung gab sich die Hälfte der Jugendlichen durchaus interessiert, fast jeder zehnte würde sogar selbst zu Hilfsmitteln greifen.

Mit bereits etwa 100 Euro im Monat sind die Drogen auch für viele Jugendliche durchaus erschwinglich, was die Hemmschwelle noch einmal senkt.

Besonders saisonal haben die Präparate Hochkonjunktur. Da es vielen Jugendlichen und jungen Männern nur um den schönen Körper geht, ist das Doping vor dem Sommer besonders beliebt.

Kzenon - Fotolia

Problematisches Schönheitsideal

Das eigentliche Paradox an dem Schönheitswahn um jeden Preis ist allerdings die tatsächliche Wirkung der Muskelaufbaupräparate. Denn zum einen hat sich das Schönheitsideal gewandelt: Der Muskelprotz aus dem Kraftraum ist längst dem schlanken Sixpack-Träger gewichen. Anabolika haben ästhetisch eine eher hinderliche Wirkung, da sie Haarausfall, Akne und Risse in der Haut bewirken können, langfristig sind die Konsequenzen des Schönheitswahns sogar noch gravierender.

Weitere Nebenwirkungen, die auftreten können sind Antriebslosigkeit, Bluthochdruck, erhöhter Augendruck, Depressionen, Gewaltausbrüche und  Gynäkomastie (weibliche Brustbildung bei Männern). Missbrauch anaboler Steroide kann den Herzmuskel verdicken oder zu Zeugungsunfähigkeit führen. Blut- und Leberwerte werden ebenfalls negativ beeinflusst. Jugendliche unterschätzen dabei oft die irreparablen Spätfolgen des Missbrauchs. Oft werden erst mit 30 oder 40 Jahren Schäden erkennbar.

Die Gefahr im Umgang mit Anabolika ist für die Konsumenten kaum zu überblicken, selbst wenn direkte Schäden wie hervorstechende Augen oder Nasenbluten durch Pausen vermieden werden. Der Nutzen der Wachstumshormone dagegen von kurzer Dauer. Zwar lassen die Muskeln sich mit Hormonen schneller aufpumpen, doch die Folgen ist das nicht wert.

Dass unter jungen Freizeitsportlern die Einnahme von Anabolika und Testosteron zunehmend bagatellisiert wird, ist allerdings höchst bedenklich. Die Mittel sind nämlich nicht nur für die Konsumenten gefährlich - inzwischen hat sich auch in Deutschland ein lukratives Geschäft rund um die Aufbaupräparate entwickelt. Zutaten und Mittel werden billig (etwa aus China) importiert und teuer weiter verkauft. Ganz wie bei anderen Drogen.

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