Voxxclub-Sänger: "Tief im Inneren wusste ich es immer"

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Voxxclub-Sänger: "Tief im Inneren wusste ich es immer"
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Der Schlagersänger Christian Schild hat sich als schwul geoutet. "Es ist schlimm, wenn man Verstecken spielen muss", sagt er. Und unser Autor fragt sich, ob er darüber schreiben soll.

Nein, es ist wirklich nicht leicht, Journalist zu sein. "Voxxclub-Sänger outet sich als schwul", lautet die Meldung. Coming-out ist immer gut. Aber: Vox-was? Schnell die allwissende Suchmaschine Google gefragt. Der erste Treffer: "Voxxclub ist eine fünfköpfige Band der Neuen Volksmusik", weiß Wikipedia.

Aha. Naja, dann schauen wir mal rein in das Interview, in dem er erklärt, dass er auf Männer steht. Wem hat er das denn überhaupt gegeben? Bild, Gala, Bunte? Nein, der Freizeit-Revue. Das ist doch dieses blau-gelbe Klatschblatt, oder? Auf dem Cover ist meistens eine schwedische Prinzessin, Helene Fischer oder Hansi Hinterseer, dazu das Wort "Drama!". Auch hier hilft Wikipedia: "Die Zielgruppe der Zeitschrift sind Leser ab 50 Jahre."

Diskussion über Promi-Coming-outs

Dann beginnt das Abwägen: Für dbna schreiben oder nicht? Diejenigen Leser, die - wie hieß die Band nochmal? - genau, Voxxclub kennen, lassen sich wohl an einer Hand abzählen. 

Und es wird keine fünf Minuten dauern, bis ein Facebook-Kommentator "interessiert keinen" oder "wer ist das?!?!?!?11" postet. Das Netz ist böse. Und ehrlich.

Dann gibt es noch diejenigen, die jede Coming-out-Geschichte blöd finden. Der Tenor: "Wenn ihr darüber berichtet, macht ihr es erst zu etwas Besonderem. So werden wir nie Normalität erreichen." 

Die Botschaft jedes Coming-outs: Du bist nicht allein

Um aber Normalität zu erreichen, muss man Homosexualität auch als normal darstellen. Das kann nur gelingen, wenn sie überhaupt in den Medien präsent ist. Und solange Schwule und Lesben in Deutschland nicht dieselben Rechte haben wie Heteros, und solange sie in anderen Ländern der Welt ihr Leben riskieren, dann ist das eben alles andere als Normalität. 

Außerdem ist jedes öffentliche Coming-out ein Vorbild für alle jungen Bisexuellen und Schwulen. Es vermittelt eine Botschaft: Dass es viele gibt, die genauso fühlen und denken. Die dieselben Ängste und Probleme vor oder nach ihrem Coming-out hatten. Auf den Punkt gebracht: Du bist nicht allein.

Der erfolgreichste Hit: Ein Queens-Cover

Deshalb gibt es die Geschichte von Christian Schild auf dbna. Außerdem bewegt er sich in einem Metier, das eher als altmodisch-konservativ gilt. Schlagerfans: Damit verbinden wir eher keine Homo-Aktivisten. Da kann es schon mutig sein, sich zu outen.

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Christian (2. v.l.) hat in der Band keine Probleme mit seiner Homosexualität.

Christian (2. v.l.) hat in der Band keine Probleme mit seiner Homosexualität.

Zu einer umfassenden Recherche gehört natürlich auch, dass man sich die Musik der Schlager-Boyband anhört. Ihr zumindest auf Spotify beliebtester Song heißt "Rock Mi", eine Coverversion von Queens "We Will Rock You". 

"Verstecken spielen macht wahnsinnig unglücklich"

"Wenn der Maibaum wieder am Dorfplatz steht und sich alles um die Madeln dreht, wenn sie ihre heißen Dirndln zeign, und mir Burschn uns die Augen reibn", singt die Band da. Naja, zumindest für Christian Schild gilt das nicht: "Frauen haben leider keine Chance bei mir", sagt er der bereites erwähnten Freizeit-Revue.

Mit 16 habe der Sänger gemerkt, dass "ich anders bin als die anderen." An Frauen war er nie interessiert. "Tief im Inneren wusste ich es immer", sagt der Schweizer. Mit 18 hat er sich schließlich geoutet: "Es ist schlimm, wenn man Verstecken spielen muss. Das macht wahnsinnig unglücklich." 

Christian Schild: "Ich war sehr verliebt"

Dass es in seiner Umgebung damals keine anderen Schwulen gab, war für ihn sehr schwierig, sagt der heute 28-Jährige. "Ich hatte Angst davor, nicht mehr gemocht und verletzt zu werden." Doch seine Familie hat es ohne Probleme aufgenommen. "Sie hatten es ohnehin geahnt", erklärt er. Und auch in der Band geht er offen mit seiner Sexualität um. 

Im Moment ist er zwar single, aber er hatte eine einjährige Beziehung, in der er "sehr verliebt" war. Schwach wird der Schweizer vor allem bei blauen Augen. Und wenn ihm ein Mann gefällt, "dann lasse ich nichts unversucht", sagt er dem Klatschblatt.

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