100% Sicherheit gibt es nicht

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
100% Sicherheit gibt es nicht

froschperspektive/photocase.com

Der Artikel über Gilberto und seine HIV-Infektion zum Welt-Aids-Tag hat zu einer hitzigen Diskussion über Safer Sex und Co geführt. Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Gilberto erzählte, dass er sich mit HIV angesteckt hat, obwohl er und sein Partner immer auf Safer Sex geachtet haben. Auf dbna und Facebook gab es sofort viele Kommentare, die sich darüber wunderten. Wir haben nachgefragt bei Armin Schafberger, Medizinreferent bei der Deutschen Aids-Hilfe.

Herr Schafberger, kann man sich unbemerkt mit HIV oder anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) anstecken, selbst wenn man immer auf Kondome achtet?

Bezüglich eine HIV-Übertragung sind Kondome sehr sicher. Aber hundertprozentige Sicherheit gibt es im ganzen Leben nicht, auch nicht beim Sex. Es gibt Anwendungsfehler bei Kondomen. Und ein Restrisiko gibt`s auch beim Oralverkehr.

Bezüglich STI (sexualyl transmitted infections), sieht`s etwas anders aus. Kondome sind zwar das beste Mittel gegen STI, aber praktisch alle STI werden auch durch Oralverkehr übertragen: Syphilis, Tripper, Herpes, Chlamydien.

Das heißt also, Safer Sex ist nicht Safe Sex?

Genau. Safe Sex meint 100%-ige Sicherheit. Gemeinsames Wichsen zum Beispiel oder Küssen gehört zu Safe Sex. Aber die Begriffe beziehen sich immer auf HIV, nicht auf STI. Denn Herpes zum Beispiel geht ganz leicht durch Küssen zu übertragen, deshalb ist es Unsinn, hier von Safer Sex oder Safe Sex zu sprechen.

Auch wenn ich also konsequent Kondome nutze, sollte ich regelmäßig einen Check auf sexuell übertragbare Krankheiten machen?

Richtig. Sexuell aktiven schwulen Männern raten wir einmal im Jahr zum großen Check: HIV, Syphilis, Tripper und Chlamydien. Und der Arzt soll noch Schwanz und Arsch auf Feigwarzen und Herpes untersuchen.

Wer mehr als 10 Partner im Jahr hat, dem raten wir zusätzlich zu einem zweiten, aber kleineren Check 6 Monate später: Syphilis, Tripper, Chlamydien.

Wie lange muss ich denn warten, damit so ein Testergebnis aussagekräftig ist?

Das hängt von den verwendeten Tests ab. Wenn man ein Risiko hatte, kann man HIV mit einem verbesserten Antikörpertest oft schon nach 3 oder 4 Wochen nachweisen. Aber wenn man eine sichere Bestätigung will, dass man HIV-negativ ist, müssen 3 Monate zum letzten Risiko vergangen sein. Dann hat man den ganz sicheren Ausschluss der Infektion.

Was muss ich denn tun, wenn das Kondom gerissen ist und ich nicht sicher über den HIV-Status meines Sexualpartners bin oder er positiv ist?

Kommt drauf an:
Analverkehr mit gerissenem Kondom und anonymem Partner: schnell handeln! Mit einer vorsorglichen HIV-Therapie über einen Monat kann man eine Infektion verhindern. Auf der DAH Webseite www.aidshilfe.de oder www.hivreport.de verweisen wir auf eine Liste der Kliniken, bei denen man rund um die Uhr also 24 Stunden beraten werden und eine solche vorsorgliche Therapie (PEP) erhalten kann.

Wenn man weiß, dass der Partner positiv ist und keine Therapie einnimmt (und eine hohe Viruslast hat): dann gibt es keinen Zweifel, dass eine PEP angesagt ist! Ab zum Arzt bzw. zu so einer Klinik.

Wenn der Partner positiv ist und erfolgreich therapiert wird (die Viruslast ist unter der Nachweisgrenze): hier besteht kein Infektionsrisiko, daher gibt es hier keinen medizinischen Grund für eine PEP.

Was ist denn eine PEP?

PEP steht für Post-Expositions-Prophylaxe. Also die Einnahme von Medikamenten nach (post) einem Risiko (einer Exposition). Man nimmt eine HIV-Kombinationstherapie aus drei Medikamenten für einen Monat.

Wie sicher ist diese PEP?

Kommt drauf an, wie bald nach dem Risiko man mit der Einnahme startet. Am besten innerhalb von wenigen Stunden, halbwegs gut sind noch 24 Stunden, mäßig ist ein Start innerhalb 48 Stunden und schlecht aber gerade mal noch möglich sind 72 Stunden. Eine genaue Berechnung der Schutzwirkung gibt es nicht, solche Studien kann man nicht durchführen. Aber wenn man innerhalb der ersten Stunden beginnt und die Therapie gut durchzieht wird die PEP eine Infektion recht sicher verhindern.

Kann ich denn überhaupt jedes Kondom für Analverkehr benutzen?

Es sollten geprüfte Kondome mit CE-Markierung sein. Fettfreies Gleitmittel verwenden und das Kondom richtig anwenden. Tipps dazu geben wir auf der Webseite der Aidshilfe.

Stimmt es, dass HIV-Positive unter der Nachweisgrenze kein HIV mehr übertragen können? Unter welchen Bedingungen stimmt das und wie sicher ist es?

Die Behandlung sollte sicher wirken, das heißt, die Viruslast soll schon 6 Monate unter der Nachweisgrenze bzw. unter 50 Viren/ml Blutserum sein. Und der Partner sollte die Medikamente zuverlässig einnehmen. Insofern setzt das ein hohes Maß an Vertrauen voraus. Denn wenn der Partner die Medikamente zum Beispiel seit 2 Wochen nicht mehr genommen hat und kein Medikament mehr im Blut ist, schießt die Viruslast in die Höhe und er ist so wie bei Beginn einer Infektion extrem infektiös. Zuverlässigkeit ist also wichtig!

Leichtsinnig sollte man also trotzdem nicht sein, selbst wenn der Sexualpartner unter der Nachweisgrenze ist?

Wenn er wirklich stabil unter der Nachweisgrenze ist, kann man sich sicher fühlen. Aber man sollte sich nicht leichtsinnigerweise drauf verlassen, dass es so ist. Viel mehr als bei Kondomverwendung geht es hier um Vertrauen. Mit Kondom hat man übrigens auch einiges gegen andere STI getan!

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