Premiere: Hier ist Folge 3

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Premiere: Hier ist Folge 3
KUNTERGRAU, Andreas Köstler

Nach der großen Premiere in Köln ist jetzt endlich die dritte Folge online. Neu dabei ist Oma Margarethe, die Leopold beim Wichsen stört. Damit hat Kuntergrau eine Schwulenmutti, die an Debbie aus "Queer As Folk" erinnert.

Am Freitag feierte in Köln die Webserie Kuntergrau Premiere. Mehr als 240 Fans folgten der Einladung ins Filmforum NRW und beklatschten euphorisch das Filmprojekt und seine Macher. Gezeigt wurde die erste komplette Staffel der Webserie um die schwule Clique Leopold, Lukas, Marcel, Noah und Jan. Auf der Suche nach Freundschaft, Liebe und Sex schlagen sie sich durch die Wirren des Alltags und der Szene.

Wer nicht bei der Premiere dabei sein konnte, muss sich jetzt erst einmal mit der lang ersehnten dritten Folge zufriedengeben. Jeden Sonntag wird eine weitere Folge veröffentlicht, ehe am 14. Februar das Staffelfinale kommt.

Was kommt nach dem Coming-out?

Kreiert wurde die Serie von Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus Köln und Umgebung. Im Gegensatz zu vielen anderen Videos und Filmen geht es bei Kuntergrau genau nicht schon wieder um das Thema Coming-out. Es geht um die Frage, was danach kommt.

"Homosexualität ist eine Folie, auf der verschiedene zwischenmenschliche Konflikte ablaufen und Menschen in ihren individuellen Lebensstilen nachgehen", sagt Lino Hammer, Vorstand des Jugendzentrums anyway, auf der Premierenfeier. Das anyway hat zusammen mit der Filmproduktion moviio Kuntergrau produziert.

KUNTERGRAU, Andreas Köstler

20 Stunden Material, 20 Drehtage fünf Folgen

Er ergänzt: "Klischeefrei zeigt die Serie sowohl den treuen, beziehungssuchenden jungen Mann genauso wie den Aufreißer mit einem One-Night-Stand nach dem nächsten. Den Menschen mit Migrationshintergrund und den ohne. Und dabei sind sie halt auch schwul, fast schon, als ob dies nur eine Nebensächlichkeit wäre."
 
Woche für Woche saßen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen teilweise Laien, teilweise Profis über anderthalb Jahre im anyway zusammen, um Drehbücher zu schreiben, Drehs zu planen, über Social-Media-Aktivitäten zu beraten und vieles mehr. Am Ende wurde aus 20 Stunden Material, welches an 20 Drehtagen entstanden war, insgesamt fünf Folgen zusammengeschnitten. Das Ergebnis davon honorierte das Publikum im Filmforum mit viel Beifall.

Nach zwei Stunden in die Kiste und dann ernsthafte Gespräche

Im Talk mit Premierenmoderator Benjamin Scholz von jungsfragen gewährten die Macher und Schauspieler auf der Premierenfeier einen Einblick in das Geschehen hinter den Kulissen. So erzählte Profischauspieler Daniel Printz von seinem ersten Drehtag, der direkt mit einer Sexszene startete.

KUNTERGRAU, Andreas Köstler

"Mein Spielpartner und ich kannten uns zwei Stunden, ehe es direkt losging. Und dann hast du ein ganzes Team am Set. Das ist so ein bisschen voyeuristisch. Aber das Team war ganz ruhig und wir konnten uns schnell gut verstehen."

"Die Charaktere haben eine Tiefe, die man vorher gar nicht gesehen hat"

Aber nicht alle Situationen am Set waren einfach zu meistern. Einige Dinge lagen einfach nicht in der Hand des Filmteams, wie Regisseur Nick Schröder (Folge 4) erzählte: "Wir waren einmal richtig abgefuckt in einer Szene über einen Saxophonspieler, der draußen auf dem Platz gespielt hat. Wir dachten, jetzt ist der Ton versaut. Der hat die ganze Zeit gespielt." In der fertigen Folge ist das allerdings kein Problem mehr.

Für Regisseur Kai Kreuser (Folge 3 und 5) war eines der Highlights beim Dreh die Vorbereitung für eine dramatische Gesprächsszene zwischen Marcel und Lukas, in der einer der beiden von einer Erkrankung erzählt. Für Kai ein Highlight: "Weil wir die Möglichkeit hatten, vorher ganz viel miteinander zu arbeiten und wir eine Tiefe in den Charakteren gefunden haben, die man vorher gar nicht so gesehen hat."

KUNTERGRAU, Andreas Köstler
Der gesamte Cast und das Team von Kuntergrau.

Der gesamte Cast und das Team von Kuntergrau.

Alle lieben Oma Margarete - und einige besonders Lukas

Besonders ins Herz schloss das Publikum bei der Premiere Oma Margarethe (Kathleen Renish), die ab Folge 3 neu zu Kuntergrau hinzustößt. Obwohl sie nur eine Nebenrolle spielt, sorgte sie mit ihrem amerikanischen Akzent und ihrer herzlich offenen Art für viel Schmunzeln und Lacher im Publikum.

Als sie versehentlich in Leopolds Zimmer hineinstürmt und ihm beim Wichsen stört, hält sie danach eine Ansprache auf die Normalität des Masturbierens: "Du musst dich nicht schämen. Das ist ganz normal. Das machen viele Männer." Schöner hätte es auch Schwulenmutti Debbie aus der Serie "Queer As Folk" nicht sagen können.

Spenden in dreistelliger Höhe für das Filmprojekt

Besondere Unterstützung aus dem Publikum bekam auch Nachwuchsschauspieler Daniel Kosic  (Lukas). Er war eigens mit kleinem, inoffiziellem Fanclub zur Premiere gekommen. Dieser sorgte dafür, dass auch beim Anschauen des Vorspanns der fünften Folge es noch immer Jubelrufe gab, sobald Daniel über die Leinwand huschte.

KUNTERGRAU, Andreas Köstler

Mit so viel Begeisterung im Gepäck, trat zum Ende des Abends Drag-Kabarettistin Erika Laste auf die Bühne. Ausgestattet mit dem heißen Charme einer Thüringer Rostbratwurst machte sie sich ans Spendensammeln - inklusive eines Balztanzes. Von so viel Erotik umschmeichelt zückte das Publikum fleißig die Scheine und spendete eine dreistellige Summe für das Filmprojekt und seine Fortsetzung.

Ein Kuntergrau-Shirt, um die Serie zu unterstützen

Denn Kuntergrau soll weitergehen. Erste Ideen sind bereits gesponnen. Für die Realisierung dieser sammelt das Filmteam - das ehrenamtlich arbeitet und viel Zeit und Energie investiert weitere Spenden. Wer die jungen Talente unterstützen möchte, kann das online erledigen oder mit dem Kauf eines Kuntergrau-T-Shirts tun.

Alle Hintergründe rund um Kuntergrau erfährst du auch im großen Auftakt-Artikel sowie in den dbna-Interviews mit den Darstellern DanielMarcelMousti und Fabian.

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