Danny (26) aus Frankfurt

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Danny (26) aus Frankfurt

Danny entwickelt und designt Apps und Internetseiten. Er arbeitet ortsunabhängig und geht den Weg als digitaler Nomade. Trotzdem hätte er gerne einen Freund. Erfahrung mit einer Fernbeziehung hat er immerhin schon: Nach eineinhalb Jahren in Kanada ist er jedoch für seinen Freund zurück nach Deutschland gezogen

Danny, du findest, jeder sollte seinen eigenen Weg gehen. Wo bist du an Punkte gestoßen, an denen du nicht auf andere gehört hast?

Ich habe schon mit 14 angefangen, mich mit Webdesign zu beschäftigen. Das war ja eine Zeit, 2004, wo das Internet noch nicht so weit vorangeschritten war. Webdesign als Beruf oder überhaupt Apps gab es nicht. YouTube, Instagram, Facebook, das war alles nicht da. Mit 17 kam dann der Wow-Effekt, als Firmen angefragt haben, ob ich deren Homepage bauen kann. Da habe ich Geld mit meinem Hobby verdient.

Aber das war nicht der Weg, den sich meine Eltern gedacht haben. Diese Internet-Berufe waren noch nicht so etabliert. Aber ich habe trotzdem weitergemacht, vor allem weil es mir Spaß gemacht hat. Man sollte einfach seinen eigenen Weg gehen, solange man selbst Spaß daran hat und seine Leidenschaft nicht von anderen schlecht reden lassen.

Und was machst du heute?

Aktuell mache ich vor allem Design und Entwicklung von Apps für größere Firmen. Aber seit einiger Zeit habe ich auch einen eigenen YouTube-Kanal und bin viel auf Instagram unterwegs. Ich sehe Social Media als zweites Standbein. Mein langfristiges Ziel ist es, ortsunabhängig zu sein und von überall zu arbeiten.

Danny
"Es gibt häufig das Vorurteil, Bisexuelle würden abhauen, sobald sie eine Freundin haben. Aber das ist überhaupt nicht so."

"Es gibt häufig das Vorurteil, Bisexuelle würden abhauen, sobald sie eine Freundin haben. Aber das ist überhaupt nicht so."

Ein Leben als digitaler Nomade?

Ja, es geht wohl in diese Richtung. Ich war dieses Jahr auch bei einer Konferenz über dieses Thema und bin total motiviert rausgegangen. Das war sehr inspirierend. Und ich habe festgestellt, dass ich das schon längst machen kann: Ich habe meine eigene Firma und arbeite von zu Hause aus. Und demnächst bin ich auch für vier Monate in Thailand und Bali, um von dort zu arbeiten.

In den sozialen Medien nennst du dich Solonomade. Was bedeutet das?

Das hat eine Doppeldeutigkeit: Einerseits reise ich viel alleine durch die Welt, aber ich bin auch Solopreneur, also Einzelunternehmer, und eben digitaler Nomade.

Aber das solo lässt sich auch auf deinen Beziehungsstatus übertragen. Ist so ein Lebensstil mit einem Partner überhaupt möglich?

Ich fände es schon schön, wenn ich jemanden hätte. Aber es muss jemand sein, der damit klarkommt, dass ich auch mal ein paar Wochen im Jahr reise. Vielleicht jemand, der auch so arbeitet und immer mitkommen könnte. Natürlich würde man sich vorher absprechen. Als digitaler Nomade lebt man auch mal ein paar Monate an einem Ort und das könnte man ja gemeinsam, falls das möglich ist. Davon bin ich aber auch noch entfernt und würde auch nicht einfach gehen, wenn ich einen Partner hätte.

Du hattest ja auch schon eine Fernbeziehung

Ja, ich hatte eineinhalb Jahre eine Fernbeziehung von Deutschland nach Kanada. Wir haben uns kennengelernt und zwei Monate später bin ich nach Vancouver gezogen. Es ist nicht schön, wenn man sich selten sieht, aber wenn man sich mag, funktioniert das. Vor allem dank Skype und Telefon ging das. Viele haben ein Problem mit dem Vertrauen, man könnte ja sonst was dort machen. Nach eineinhalb Jahren bin ich auch wegen ihm zurück nach Deutschland gekommen. Ich wollte nicht, dass die Beziehung scheitert. Dann waren wir noch weitere eineinhalb Jahre zusammen.

Die Beziehung ging dann doch in die Brüche. Bereust du es, dass du für ihn dein Leben und Beruf in Kanada aufgegeben hast?

Das ist eine sehr, sehr tricky Frage (lacht). Im Nachhinein eigentlich nicht. Ich bereue es in der Sicht, dass ich meine Immigration aufgegeben habe, aber ich bereue es auf keinen Fall. Die Zeit danach war schön. Und es hat sich ein neuer Weg ergeben, ich habe angefangen zu studieren, das wäre ja auch alles nicht passiert, wenn ich in Kanada geblieben wäre.

Danny
"Ich hatte vorher nie Gefühle für einen Jungen, und das hat mich total verwirrt."

"Ich hatte vorher nie Gefühle für einen Jungen, und das hat mich total verwirrt."

Was hast du von der Fernbeziehung gelernt?

Ich habe das Verhältnis von Entfernungen verlernt. Wenn andere auf dbna schreiben, man soll bitte nicht vier Stunden weg wohnen, und für manche ist eine Stunde schon zu viel. Dann denke ich: Für mich ist das nichts, ich habe eine ganz andere Sichtweise. Ich war 10.000 Kilometer, zehn Stunden Flug weit weg, da ist es kein Problem, mal eine Stunde Auto zu fahren.

Ich habe gelernt, dass man zusammen jede Entfernung schaffen kann, auch wenn man sich vielleicht nicht jeden Tag sehen kann. Es fällt mir zwar nicht leicht, aber man freut sich dann umso mehr aufs Wiedersehen. Ich finde es aber schön, sich so oft wie möglich zu sehen und da nimmt man auch jede Strecke gern auf sich.

Du bist sehr selbstbewusst. War das auch bei deinem Coming-out so?

Ich habe mich relativ spät geoutet, so mit 21. Ich hatte auch früher eine Freundin, aber fand Jungs immer hübsch. Ich konnte mir nur nie vorstellen, dass ich eine Beziehung hätte. Damals hatte ich noch ein eher klassisches Familienbild. Mit 21 war ich bei einem Geburtstag und da war jemand, der schwul war.

Das war der erste Mensch, den ich persönlich kennengelernt habe, der schwul war. An dem Abend habe ich gemerkt, dass da scheinbar was ist. Ich hatte vorher nie Gefühle für einen Jungen, und das hat mich total verwirrt. Das geht gar nicht, dachte ich, warum mag ich den so sehr. Das hat alles komplett durcheinandergebracht.

Wem hast du davon zuerst erzählt?

Ich habe eine Freundin angerufen und war total nervös. Sie hat mich echt bestärkt und das war so schön und toll. Ich habe gemerkt, dass es nicht so schlimm ist. Ich habe angefangen, es auch anderen Freunden zu erzählen und alle haben es echt super aufgenommen. Aber solange ich keinen Freund habe, dachte ich, brauche ich das meiner Familie nicht zu erzählen.

Wie hast du deinen ersten Freund dann getroffen?

Ich habe ein paar Jungs getroffen und meinen ersten Freund über dbna kennengelernt. In den zwei Monaten, bevor ich nach Kanada bin, haben wir viel Zeit miteinander verbracht. Alles ging krass schnell. Das muss was werden, bevor ich weggehe, dachte ich (lacht). 

Und es ist auch was geworden. Wem in deiner Familie hast du zuerst davon erzählt?

Ich habe meinen Bruder angerufen und gesagt, dass ich jemanden kennengelernt habe. Er hat dann gefragt, wie sie heißt. Ich habe geantwortet, dass es keine sie ist. Dann hat er einfach gefragt, wie er heißt. Er hat sich voll gefreut. Und ich habe ihn gefragt, wie unsere Eltern reagieren würden. Das war der witzigste Punkt: Er hat mir erzählt, dass sie schon darüber geredet haben. Sie wussten es also, bevor ich es selbst wusste (lacht).

Danny
"Ich habe gelernt, dass man zusammen jede Entfernung schaffen kann, auch wenn man sich vielleicht nicht jeden Tag sehen kann."

"Ich habe gelernt, dass man zusammen jede Entfernung schaffen kann, auch wenn man sich vielleicht nicht jeden Tag sehen kann."

Das heißt, sie haben nur darauf gewartet, dass du es ihnen erzählst?

Ja, genau. Ich habe es meiner Mutter gesagt, und es war Gott sei Dank wirklich alles gut. Aber ich dachte davor, ich sterbe. Man denkt ja sonst was, ich hatte total Angst. Aber es war alles wunderbar.

Du hast dich lange als bisexuell definiert und hast das auch immer noch in deinem Profil stehen. Was hast du da für Erfahrungen gemacht?

Es gibt häufig das Vorurteil, Bisexuelle würden abhauen, sobald sie eine Freundin haben. Aber das ist überhaupt nicht so. Wenn ich dich mag, dann verlasse ich dich nicht, wieso sollte ich auch mit einer Frau durchbrennen? (lacht). Ich finde es blöd, so abgestempelt zu werden. Man sollte überhaupt keine Vorurteile haben über Leute, die man nicht kennt. 

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