Absage: Xavier Naidoo fährt nicht zum ESC

Fabian Schäfer Von Fabian Schäfer
Absage: Xavier Naidoo fährt nicht zum ESC
Thommy Mardo

Update: Die ARD zog seine Entscheidung, Xavier Naidoo zum ESC zu schicken, zurück. "Die laufenden Diskussionen könnten dem ESC ernsthaft schaden", sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber.

Nachricht vom 19.11.2015 - Update am Ende des Artikels:

Xavier Naidoo wird Deutschland beim Eurovision Song Contest 2016 in Stockholm vertreten. Das verkündet der Sänger auf seiner Homepage. Auch die deutsche Eurovision-Seite bestätigt es und kündigt Naidoo als "einen der erfolgreichsten Deutschlands" an.

Welchen Song er im Mai singen wird, dürfen die Zuschauer in der Show "Unser Song für Xavier" bestimmen. "Einige der renommiertesten deutschen Komponisten und Produzenten werden von Xavier Naidoo und dem deutschen ESC-Team um Song-Vorschläge gebeten", schreibt die deutsche ESC-Seite dazu. Aus sechs Liedern dürfen die Zuschauer am 18. Februar wählen. 

"Auszeichnung" für Naidoo: Goldener Aluhut

Der 44-jährige Sänger freut sich über die Entscheidung: "Dieser völkerverbindende Wettbewerb ist für mich etwas ganz Besonderes", ist auf seiner Homepage zu lesen. 


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Doch Naidoo ist alles andere als unumstritten. Erst in diesem Jahr wurde er mit dem "Goldenen Aluhut" "ausgezeichnet". Der Preis ehrt die schönste Verschwörungstheorie des Jahres. Denn Naidoo glaubt, dass Deutschland kein souveräner Staat ist, sondern immer noch unter Besetzung steht. In seinem offiziellen Fanshop ist bezeichnenderweise ein T-Shirt mit der Aufschrift "Frei Sein" erhältlich.

Naidoo wird auch Homophobie unterstellt

Im vergangenen Jahr trat er bei einer Veranstaltung der sogenannten "Reichsbürgerbewegung" auf, wo er über die Anschläge des 11. Septembers 2001 in New York sagte: "Wer das als Wahrheit hingenommen hat, was da erzählt wurde, hat einen Schleier vor den Augen."

Auch Homophobie wurde ihm schon vorgeworfen. 2012 veröffentlichte er zusammen mit Kool Savas einen Song, in dem es heißt: "Warum liebst du keine Möse, weil jeder Mensch doch aus einer ist? Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?". Das ist noch der harmlosere Teil des Liedes. Die Anspielung auf Kinderschänderei unter Homosexuellen soll nicht zitiert werden.

Naidoo hat sich immer wieder gegen die Vorwürfe verteidigt. So unterstützt er die Ehe für alle: Er hat neben vielen weiteren Prominenten einen Offenen Brief an Kanzlerin Merkel unterschrieben, der die Eheöffnung für Homosexuelle fordert. 

Umdenken nach dem Debakel in Wien

In den sozialen Netzwerken, allen voran Twitter, wird die Entscheidung der ARD heftigst kritisiert. Zwischen Verwunderung, Häme, Ratlosigkeit und sogar Boykottaufrufen ist alles dabei.

Früher traten verschiedene Künstler mit ihren Songs beim Vorentscheid auf, aus denen die Zuschauer einen Sieger kürten. Nachdem dieses Jahr der Gewinner Andreas Kümmert nicht antreten wollte und die zweitplatzierte Ann Sophie in Wien mit keinem Punkt den letzten Platz erreichte, wollten die Verantwortlichen wohl umdenken.

Der Eurovision Song Contest 2016 findet am 14. Mai im Ericsson Globe in Stockholm statt, nachdem Måns Zelmerlöw mit "Heroes" dieses Jahr gewonnen hat.

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Update: Xavier Naidoo fährt doch nicht nach Stockholm

Die ARD hat seine Entscheidung zurückgezogen, Xavier Naidoo zum Eurovision Song Contest zu schicken. "Die laufenden Diskussionen könnten dem ESC ernsthaft schaden", erklärte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber.

"Xavier Naidoo ist ein herausragender Sänger, der nach meiner Überzeugung weder Rassist noch homophob ist. Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht. Wir haben das falsch eingeschätzt. Der Eurovision Song Contest ist ein fröhliches Event, bei dem die Musik und die Völkerverständigung im Mittelpunkt stehen sollen", heißt es weiter in der Erklärung von Schreiber.

Diesen Charakter des Events soll erhalten bleiben. "Aus diesem Grund wird Xavier Naidoo nicht für Deutschland starten." Wie der deutsche Beitrag für den ESC 2015 stattgefunden ausgewählt wird, soll "so schnell wie möglich" entschieden werden.

Dass Xavier Naidoo Deutschland vertreten soll, hat innerhalb kürzester Zeit scharfe Kritik hervorgerufen. Es wurden mehrere Online-Petitionen gegen die Entscheidung ins Leben gerufen. Vor allem in den sozialen Netzwerken erntete die Entscheidung Spott und Häme. In den Kommentarspalten fast aller Tageszeitungen äußerte sich Unverständnis über Naidoos Teilnahme. 

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